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Llygadrudd Emys, Onkel von König Artus

Von Caleb Howells

Llygadrudd Emys ist eine sehr untergeordnete Figur aus den Sagen um König Artus. Ironischerweise soll er jedoch einer der nächsten Verwandten von Artus gewesen sein. Er erscheint in nur einer einzigen Erzählung, in der er als einer der Onkel von König Artus beschrieben wird, und zwar als Bruder seiner Mutter. Was wissen wir über ihn? Taucht er tatsächlich in weiteren Überlieferungen auf?

Artus' Krieger sitzen auf den Schultern des Lachses von Llyn Llyw unter den Mauern des Schlosses von Gloucester
Artus' Krieger sitzen auf den Schultern des Lachses von Llyn Llyw unter den Mauern des Schlosses von Gloucester, Übersetzt von Lady Charlotte Guest, Gemeinfrei, über Wikimedia Commons

Wer war Llygadrudd Emys?

Llygadrudd Emys erscheint in einer walisischen Erzählung mit dem Titel Culhwch and Olwen. Diese Erzählung entstand wahrscheinlich um das Jahr 1100, obwohl zumindest ein Teil der zugrunde liegenden Geschichte bis mindestens in das neunte Jahrhundert zurückreicht.

In dieser Erzählung erfahren wir, wie König Artus eine Reihe von Abenteuern besteht. Das dramatischste davon ist die Jagd auf einen monströsen Eber und seine tödlichen Frischlinge. Der Eber trägt den Namen Twrch Trwyth. Diese Eberjagd wird in den Mirabilia erwähnt, die der Historia Brittonum angehängt sind.

Während dieser Abenteuer und insbesondere während der Eberjagd rief Artus unzählige Verbündete aus ganz Britannien und sogar darüber hinaus zu Hilfe. Llygadrudd Emys war einer dieser Verbündeten. Er wird an der Seite seines Bruders Gwrfoddw Hen erwähnt.

Llygadrudd wird in dem Bericht nicht besonders hervorgehoben. Er wird lediglich als einer von Artus’ Verbündeten während dieses Ereignisses aufgezählt, und später wird er als einer der Männer erwähnt, die von Llwydog Gofynniad, einem der Frischlinge des Ebers, getötet wurden.

Bei der ersten Erwähnung Llygadrudds findet sich ein Kommentar, demzufolge er einer der Onkel von König Artus war. Konkret war er der Bruder von Artus’ Mutter.

Wie wir sehen, gibt es in den arturischen Sagen nicht viele Informationen über Llygadrudd Emys, doch dies zeigt uns immerhin, dass er ein Unterstützer von Artus’ Herrschaft war und bis weit in diese Herrschaft hinein im Kampf aktiv blieb.

Die Bedeutung des Namens

Der Name „Llygadrudd Emys“ lässt sich offenbar direkt als „rotäugiger Hengst“ übersetzen. Der erste Teil davon ist auf den ersten Blick eindeutig. Um den zweiten Teil jedoch, „Emys“, gibt es einige Kontroversen.

Ein häufiger Fehler mittelalterlicher britischer Schreiber bestand darin, den Buchstaben „r“ mit dem Buchstaben „s“ zu verwechseln. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche Beispiele von Namen, die irgendwo ein „s“ enthalten, wo eigentlich ein „r“ stehen sollte, und umgekehrt.

Wie es der Zufall will, ist ein belegter Name, der in einem arturischen Kontext vorkommt, „Emyr“. Beachten Sie, dass dieser sich von „Emys“ nur durch das „r“ anstelle des „s“ unterscheidet. Dieses Wort, „Emyr“, ist eigentlich ein Titel, der „Kaiser“ bedeutet. Er erscheint in walisischen Aufzeichnungen als Titel des Königs der Bretagne, in der Regel König Budic. Dieser wird Emyr Llydaw genannt (wobei letzteres Wort einer der Namen für die Bretagne ist).

Darauf gestützt haben einige Gelehrte argumentiert, dass es sinnvoller ist, Llygadrudds Namen als „rotäugiger Kaiser“ zu deuten. Dass eine königliche Figur einen Beinamen mit der Bedeutung „Kaiser“ trägt, ergibt wohl mehr Sinn als ein Beiname mit der Bedeutung „Hengst“.

Der Ursprung von „Llygadrudd“

Was den ersten Teil des Namens betrifft, so gibt es einige Anhaltspunkte dafür, dass er ursprünglich gar nicht „rotäugig“ bedeutete. Diese Belege sind nicht unbedingt sehr überzeugend, doch einige Gelehrte (etwa Peter Bartrum) haben versucht zu argumentieren, dass er von dem Ortsnamen Llygad Amr stammt.

Dies ist ein Ort in Ergyng, einem mittelalterlichen walisischen Königreich, das einen Großteil des heutigen Herefordshire und Gloucestershire umfasste. Llygad Amr ist ein Ort, dessen Name schlicht „Auge des Amr“ bedeutet, wobei Letzteres ein Personenname ist.

Diese Idee würde der Theorie, dass das „s“ am Ende von „Emys“ ursprünglich ein „r“ gewesen sein sollte, vielleicht etwas Glaubwürdigkeit verleihen, auch wenn sie keinen Zusammenhang mit dem Titel „Emyr“ herstellt.

Das offensichtliche Problem dieser Theorie ist, dass zwischen „Llygadrudd Emys“ und „Llygad Amr“ keine besondere Ähnlichkeit besteht, abgesehen von einer sehr oberflächlichen Ähnlichkeit. Es gibt keinen wirklichen Grund, die beiden miteinander zu verbinden.

In welchem Verhältnis stand Llygadrudd zu Artus?

Bedeutsamer für die eigentliche Figur ist die Frage, in welchem Verhältnis Llygadrudd zu König Artus gestanden haben soll. Wie Culhwch and Olwen uns ausdrücklich mitteilt, war er Artus’ Onkel väterlicherseits — nein, mütterlicherseits, und zwar als Bruder von Artus’ Mutter.

Der Text nennt jedoch weder die betreffende Mutter namentlich, noch nennt er den Vater von Llygadrudd. Dies erschwert die Angelegenheit etwas.

Die walisische Überlieferung, wie sie in anderen Aufzeichnungen vorliegt, gibt Artus eine Mutter namens Eigr (besser bekannt als Igerna oder Igraine, je nach Quelle). Sie wird zur Tochter einer bedeutenden Stammvaterfigur namens Amlawdd Wledig gemacht.

Auf der Grundlage dieser Fakten wird Llygadrudd Emys allgemein als Sohn von Amlawdd verstanden. Die Lage ist jedoch nicht so einfach. Das Problem besteht darin, dass es gewisse genealogische Belege gibt, die Amlawdd eindeutig zu einer Figur des frühen fünften Jahrhunderts machen. Seine Frau war eine Tochter von Cunedda Wledig, einer Stammvaterfigur, die um 370 geboren wurde.

Da Artus sicher im sechsten Jahrhundert aktiv war, würde dies darauf hindeuten, dass Llygadrudd kaum wirklich ein Sohn von Amlawdd gewesen sein kann, zumindest nicht direkt.

Belege aus dem Umfeld von Gwrfoddw Hen

Eine interessante Möglichkeit bezüglich Llygadrudds familiärer Verbindung zu Artus deutet sich tatsächlich über seinen Bruder Gwrfoddw Hen an. Gelehrte haben seit langem bemerkt, dass ein historischer König dieses Namens im Book of Llandaff als König von Ergyng erscheint, einer Sammlung von Landschenkungen von Königen an die Kirche aus dem zwölften Jahrhundert.

Eine Reihe von Gelehrten hat vorgeschlagen, dass der Gwrfoddw aus Culhwch and Olwen tatsächlich mit dem historischen Gwrfoddw aus dem Book of Llandaff identifiziert werden kann. Das einzige nennenswerte Problem dieser Identifizierung ist die Chronologie der Angelegenheit.

Während die traditionelle Sichtweise beide als exakt zeitgenössisch behandelte, haben neuere Gelehrte den historischen König Gwrfoddw im Allgemeinen etwa ein Jahrhundert später angesetzt. Dennoch hat die traditionelle Chronologie nach wie vor ihre modernen Befürworter, darunter Timothy Venning und David Farmer sowie der verstorbene Brian Davies und Michelle Ziegler.

Wenn diese beiden Gwrfoddws tatsächlich miteinander identifiziert werden sollten, würde dies bedeuten, dass auch Llygadrudd Emys ein Mitglied der Dynastie von Ergyng gewesen wäre. Angesichts der Chronologie von Gwrfoddws Auftreten im Book of Llandaff (seine Abstammung wird dort tatsächlich nicht angegeben) kann er nahezu mit Sicherheit als Sohn von König Gwrgan Fawr verstanden werden.

Dies würde demnach bedeuten, dass auch Llygadrudd ein Sohn von Gwrgan Fawr war. Der Grund, warum dies so bedeutsam ist, liegt darin, dass Gwrgan Fawr der Großvater mütterlicherseits von Athrwys ap Meurig war. Dieser gilt als einer der beliebtesten Kandidaten für den realen König Artus.

Selbst Gelehrte, die Athrwys nicht unbedingt als den realen König Artus identifizieren, wie etwa Christopher Gidlow, akzeptieren, dass er zu den Sagen beigetragen haben könnte. Vielleicht ist der Grund, warum Llygadrudd und Gwrfoddw als Onkel von Artus, als Brüder seiner Mutter, in Erinnerung blieben, also der, dass sie tatsächlich die Onkel von Athrwys waren, die Brüder seiner Mutter Onbrawst.

Die erste Seite von 'Armes Prydein Vawr', aus Peniarth MS 2, f. 6r
Die erste Seite von 'Armes Prydein Vawr', aus Peniarth MS 2, f. 6r, Schreiber X72, Gemeinfrei, über Wikimedia Commons

Hat Llygadrudd Emys wirklich existiert?

So ansprechend die Theorie auch ist, dass Llygadrudd Emys ein Bruder des historischen Gwrfoddw von Ergyng war, so hat sie doch die Schwäche, dass es im Book of Llandaff keinen ausdrücklichen Verweis auf Llygadrudd als König von Ergyng gibt.

Dies lässt sich freilich einfach dadurch erklären, dass Llygadrudd jünger war als Gwrfoddw und daher nie König des Königreichs seiner Familie wurde. Dennoch wäre es hilfreich, wenn wir ihn irgendwo im Book of Llandaff finden könnten.

Wie es der Zufall will, wird im Book of Llandaff eine Figur erwähnt, die tatsächlich als Llygadrudd identifizierbar erscheint. Er tritt als Zeitgenosse von Bischof Teilo und König Aircol auf. In der Zeugenliste für diese bestimmte Landschenkung finden wir eine Figur namens „Liuathru“.

Interessanterweise wurde der Buchstabe „u“ manchmal als Alternative für „gu“ verwendet. Dies sehen wir beispielsweise in den verschiedenen Schreibweisen von Breguoin in unterschiedlichen Handschriften. Die Buchstabenfolge „gu“ wiederum wurde mitunter bloß als „g“ falsch geschrieben.

Daher kann die erste Hälfte beider Namen, Llygadrudd und Liuathru, als gleichwertig verstanden werden. Die zweite Hälfte, „drudd“ und „thru“, kann ebenfalls problemlos als alternative Schreibweisen desselben Suffixes verstanden werden. Der Buchstabe „d“ wurde oft als „th“ geschrieben und umgekehrt, und es gibt viele Beispiele dafür, dass die letzten Buchstaben eines Namens wegfielen (wie bei der Figur, die alternativ als „Tywanwedd“ und „Dywanw“ bekannt ist).

Daher sieht es so aus, als seien „Llygadrudd“ und „Liuathru“ lediglich alternative Schreibweisen desselben Namens.

Selbst unabhängig von der Frage der Datierung der Könige von Ergyng waren Teilo und Aircol eindeutig Figuren des frühen bis mittleren sechsten Jahrhunderts, sodass dieser historische Liuathru chronologisch zu Llygadrudd passt.

Andere Theorien

Auch wenn dies wie die wahrscheinlichste Theorie erscheint, wäre es nachlässig, nicht einige der anderen Theorien über die wahre Identität von Llygadrudd zu erwähnen.

Eine Theorie, aufgestellt von Arthur Wade-Evans, besagt, dass Llygadrudd Emys mit Emyr Llydaw identifiziert werden kann. Wie wir zuvor gesehen haben, war dies ein Titel, der vom König der Bretagne geführt wurde, in der Regel gezielt auf König Budic angewendet.

Die einzige Grundlage dafür ist jedoch die vage Ähnlichkeit zwischen den Namen. Sie wird dadurch geschwächt, dass die Reihenfolge der Namen nicht übereinstimmt (wenn wir „Emys“ mit „Emyr“ gleichsetzen). Weitere Schwäche erfährt sie durch die Tatsache, dass „Llygadrudd“ und „Llydaw“ abgesehen von den ersten drei Buchstaben überhaupt nicht besonders ähnlich sind.

Eine weitere Erklärung besagt, dass Llygadrudd Emys mit Amr (auch bekannt als Amhar), dem Sohn von Artus, identifiziert werden kann. Er erscheint in den Mirabilia der Historia Brittonum.

Das Problem dieser Erklärung ist, dass Amr als Sohn von Artus überliefert ist, während Llygadrudd eindeutig als sein Onkel mütterlicherseits erklärt wird. Für diese angebliche Veränderung des Verwandtschaftsverhältnisses gibt es keine klare Erklärung.

Erste Seite des Schwarzen Buchs von Carmarthen
Erste Seite des Schwarzen Buchs von Carmarthen, unbekannt, veröffentlicht 1907: J. Gwenogvryn Evans, Gemeinfrei, über Wikimedia Commons

Fazit

Zusammenfassend können wir festhalten, dass Llygadrudd Emys trotz seiner Zugehörigkeit zu Artus’ engster Familie eine sehr untergeordnete Figur in den arturischen Sagen ist. Er soll sein Onkel mütterlicherseits gewesen sein. Er erscheint als einer von Artus’ Verbündeten in der walisischen Erzählung Culhwch and Olwen. In dieser Erzählung nimmt er an einer gefährlichen Eberjagd teil und stirbt dabei, zusammen mit seinem Bruder Gwrfoddw.

Die legendäre familiäre Verbindung zwischen Artus und Llygadrudd könnte damit zusammenhängen, dass die Figur, die als sein Bruder überliefert ist, Gwrfoddw, sehr wahrscheinlich mit dem historischen Onkel mütterlicherseits von Athrwys identifiziert werden kann, einem prominenten Kandidaten für den realen König Artus. Schließlich lässt sich Llygadrudd sehr wahrscheinlich mit dem historischen Liuathru aus dem Book of Llandaff identifizieren.

Quellen

Bartrum, Peter, A Welsh Classical Dictionary, 1993

Barber, Chris, King Arthur: The Mystery Unravelled, 2016

Howells, Caleb, King Arthur: The Man Who Conquered Europe, 2019

Parker, Will, Culhwch and Olwen Translation (Fußnote 157), 2016

Von Caleb Howells

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