Homerische Schöpfung
In der Ilias spielte Homer nur kurz auf die Schöpfung an. Hera verführte Zeus am Berg Ida in der Hoffnung, das Blatt gegen die Trojaner zu wenden, indem sie ihren Gemahl in Schlaf versetzte. Um Zeus zu verführen, benötigte Hera die Hilfe anderer Götter.
Zuerst suchte sie Hilfe bei Aphrodite, der Göttin der Liebe. Hera wollte Aphrodites Gürtel leihen, der sie unwiderstehlich verführerisch machen würde. Hera belog Aphrodite und sagte, sie wolle die Beziehung zwischen Okeanos (Ὠκανωός) und Tethys (Τηθύς), die sie aufgezogen hatten, wieder in Einklang bringen. Tatsächlich nutzte sie ihn in der Hoffnung, Zeus zu verführen. Hera sagte: “…um Okeanos zu sehen, von dem die Götter stammen, und die Mutter Tethys” (zitiert nach der Übersetzung von Robert Fitzgerald, Buch XIV 199).
Sie nutzte Hypnos, um Zeus in Schlaf zu versetzen. Hypnos prahlte gegenüber Hera, dass er sogar Okeanos in Schlaf versetzen könne, “…den Ursprung allen Lebens” (Buch XIV 258-61). Hypnos war jedoch widerwillig, Hera zu helfen, da er beim ersten Mal fast in die tiefe See geworfen worden wäre. Aus Furcht vor dem Zorn des Zeus musste Hypnos bei seiner Mutter Nyx (Nacht) Zuflucht suchen. So mächtig Zeus auch war, der König der Götter fürchtete die “allbezwingende Nacht (Nyx)”.
Als sie Zeus traf, belog Hera ihn, als sie bezüglich Okeanos und Tethys erwähnte, dass sie deren Beziehung kitten wolle, da sie seit ihrem letzten Streit nicht mehr in einem gemeinsamen Bett geschlafen hätten. Hera sagte dasselbe, was sie kurz zuvor zu Aphrodite gesagt hatte. (Buch XIV 301-304).
Für Homer waren Okeanos und Tethys älter als die Titanen; sie wurden als die Weltern (Schöpfer) bezeichnet und verdrängten Uranos und Gaia bzw. Kronos und Rhea in dieser Rolle. Okeanos hatte einen Strom, der die Erde vollständig umkreiste, welche eine flache runde Scheibe war. Und Tethys galt als die Mutter der Götter.
Homer interessierte sich mehr für den Krieg um Troja als für die Schöpfung, daher blieb vieles unausgesprochen.