War Artuir mac Aedan der echte König Artus?
Von Caleb Howells
Eine beliebte Theorie über König Artus verbindet ihn mit einer historischen Figur namens Artuir mac Aedan. Dieser war der Sohn eines Königs des südlichen Schottland im sechsten Jahrhundert. Aufgrund seines Namens, der Zeit, in der er lebte, sowie weiterer Informationen über sein Leben und seine Gefährten haben einige Forscher argumentiert, dass er der echte König Artus war.

Wer war Artuir mac Aedan?
Artuir mac Aedan war ein Prinz aus dem Königreich Dal Riada. Dies war ein Königreich, das einen Großteil des südwestlichen Schottland umfasste. Es war ein irisches Königreich, das der Überlieferung zufolge im späten fünften Jahrhundert von Siedlern aus Irland gegründet wurde.
Artuir war der Sohn eines Königs namens Aedan mac Gabran (das Wort „mac“ ist das irische Wort für „Sohn des“). Er wird als im Kampf gefallen überliefert, war also offenbar ein Heerführer, der einige der Armeen seines Vaters befehligte.
Er ist als Bruder mehrerer Geschwister überliefert. Es handelte sich um Eochaid Find, Bran, Domangart und seinen jüngsten Bruder Eochaid Buide. Es ist unbekannt, ob Artuir der älteste unter seinen Brüdern war; bekannt ist nur, dass Eochaid Buide mit Sicherheit der jüngste war.
Artuir erscheint in einer Aufzeichnung mit dem Titel Life of Saint Columba (Vita des heiligen Columba), die um 700 verfasst wurde. Aus diesem Grund stellen Historiker seine Historizität nicht ernsthaft in Frage. Er erscheint in dieser Aufzeichnung im Zusammenhang mit einer Prophezeiung, die Columba König Aedan gab und ihm verkündete, dass sein jüngster Sohn Eochaid Buide ihm aufgrund des bevorstehenden Todes seiner älteren Söhne als König nachfolgen werde.
Es scheint, dass Artuir teilweise britannischer Abstammung war. Sein Name selbst ist eine irische Form des brythonischen Namens „Arthur“. Eine Reihe mittelalterlicher walisischer Aufzeichnungen bezeugt, dass die Mutter Aedans (und damit Artuirs Großmutter) Lluan war, die Tochter Brychans, eines Königs von Brycheiniog in Wales. Vielleicht erhielt er gerade aufgrund dieser brythonischen Abstammung seinen Namen.
Wann lebte Artuir mac Aedan?
Diese Dynastie ist in den verfügbaren mittelalterlichen Aufzeichnungen recht gut datiert, sodass wir Artuir genauer datieren können als viele andere Gestalten dieser Epoche.
Laut den Annals of Ulster (Annalen von Ulster), einer mittelalterlichen irischen Chronik, wurde Artuirs Vater Aedan im Jahr 574 König. Die Annals of Tigernach stimmen damit überein, indem sie seinen Tod auf das Jahr 604 datieren. Dort heißt es ausdrücklich, dass er im „vierundsiebzigsten Jahr seines Alters“ starb. Das würde seine Geburt etwa in die Jahre 530 oder 531 legen.
Das würde bedeuten, dass Aedan laut der in den Annals of Ulster angegebenen Jahreszahl etwa dreiundvierzig oder vierundvierzig Jahre alt war, als er König wurde. Das erscheint plausibel und spricht dafür, dass diese sich gegenseitig ergänzenden Informationen verlässlich sind.
Vor diesem Hintergrund: Wenn wir annehmen, dass Aedan mindestens zwanzig Jahre alt war, als er Artuir zeugte, würde dies die Geburt des Letzteren um das Jahr 550 legen. Da wir natürlich nicht wissen, ob Artuir der Älteste war oder nicht, könnte er auch durchaus einiges später geboren worden sein.
Der Tod Artuirs wird in den irischen Annalen als um das Jahr 595 erfolgt verzeichnet.

Belege dafür, dass Artuir mac Aedan der echte König Artus war
Befürworter dieser Theorie führen Belege aus den Aufzeichnungen über Artuirs bezeugte Tätigkeiten an sowie Belege aus seiner Familie und seinem Umfeld.
Die Präsenz dieser Dynastie in der walisischen Überlieferung
Zunächst ist festzuhalten, dass es sehr wohl eindeutige Belege dafür gibt, dass diese Dynastie den mittelalterlichen Walisern bekannt war und dass sie Legenden über einige ihrer Mitglieder besaßen. Das ist wichtig, da die frühesten Spuren der Artussage aus dem mittelalterlichen Wales stammen.
König Artus war ein festes Element der frühen walisischen Tradition, daher muss jeder mögliche Kandidat für den echten König Artus dieser Tatsache gerecht werden.
Wie bereits erwähnt, erscheint Aedan mac Gabrain in einer Reihe mittelalterlicher walisischer Dokumente als Sohn der Lluan, der Tochter Brychans, eines berühmten walisischen Königs aus der Artuszeit. Darüber hinaus wird Aedan in den Walisischen Triaden erwähnt, einer Sammlung von Triaden zu mittelalterlichen walisischen Legenden. Er erscheint auch in einigen weiteren mittelalterlichen Dokumenten aus dieser Region.
Es besteht also kein Zweifel, dass diese Dynastie den Walisern bekannt war und in ihre Legenden Eingang fand.
Artuirs Name
Ein weiterer zentraler Bestandteil dieser Theorie ist, dass Artuir mac Aedan genau den richtigen Namen trug, um König Artus zu sein. Sein Name, „Artuir“, ist tatsächlich exakt derselbe Name wie der des legendären Königs. Zwar ist es richtig, dass König Artus allgemein ohne „i“ in seinem Namen überliefert ist, doch liegt dies einfach daran, dass „Artuir“ eine irische Form ist, die wir folglich nur in irischen Aufzeichnungen finden.
Dies ist ein wichtiger Punkt, denn König Artus ist ausschließlich unter diesem Namen überliefert, was darauf hindeutet, dass es sich wirklich um seinen eigentlichen Namen handelte und nicht bloß um einen Titel, wie einige andere Theorien nahelegen. Artuir mac Aedan trägt also dieser Tatsache Rechnung.
Das Schwert im Stein
Diese Theorie besagt, dass Artuirs Verbindung zu den Artussagen klar in der Legende vom Schwert im Stein erkennbar ist. Dies ist die Legende, der zufolge nur der rechtmäßige König Britanniens ein magisches Schwert aus einem Stein ziehen kann. Artus vollbringt dies und offenbart damit, dass er der rechtmäßige König ist.
Befürworter dieser Theorie haben diese Legende mit dem historischen Stone of Scone (Stein von Scone) in Verbindung gebracht. Dies war ein besonderer Stein, der bei der Thronbesteigungszeremonie der Könige von Dal Riada verwendet wurde. Nach manchen Überlieferungen trat der neue König mit einem Schwert in der Hand auf den Stein oder kniete auf ihm nieder. War der neue König rechtmäßig, so würde der Stein den legendären Berichten zufolge einen Schrei ausstoßen.
Auch wenn sich dies deutlich von der Legende vom Schwert im Stein unterscheidet, weist es doch einige interessante Parallelen dazu auf. In beiden Fällen beinhaltet das Vorgehen ein Schwert und einen Stein sowie die Offenbarung, ob jemand der rechtmäßige König war oder nicht.
Da es sich um eine Thronbesteigungszeremonie handelte, die einzigartig für die Könige von Dal Riada war, wurde dies als gewichtiger Beleg dafür angeführt, dass Artuir mac Aedan aus Dal Riada der historische König Artus gewesen sein muss.
Gefährten und Familienmitglieder
Darüber hinaus besagt diese Theorie, dass sich einige der berühmtesten Gefährten Artus’ aus den Legenden als historische Gefährten des Artuir mac Aedan identifizieren lassen. Im Folgenden betrachten wir die wichtigsten Personen, die in diesem Argument verwendet werden.
Merlin
Betrachten wir zunächst Merlin, den berühmten Berater oder Zauberer von Artus’ Hof.
Es gibt sehr eindeutige Belege dafür, dass die Figur des Merlin unmittelbar aus einer Gestalt hervorgeht, die in der walisischen Tradition als Myrddin bekannt ist. Es war Geoffrey von Monmouth, der den Namen beim Schreiben auf Latein als Erster zu „Merlinus“ abwandelte und ihn ausdrücklich mit Artus in Verbindung brachte.
Vor Geoffrey, ebenso wie in walisischen Dokumenten, die unabhängig von Geoffreys Werken entstanden, begegnen wir einer Gestalt namens Myrddin, die dieselbe Stellung einnimmt wie Geoffreys Merlinus, dieselben Handlungen vollzieht und denselben Tätigkeiten nachgeht.
Ob Myrddin tatsächlich historisch war oder nicht, ist nach wie vor umstritten, obwohl dies gut möglich sein mag. Die walisischen Dokumente, die ihn erwähnen, ebenso wie Geoffreys lateinische Aufzeichnung, verbinden ihn mit einer Reihe nördlicher Könige und Orte.
Der Überlieferung nach diente Myrddin am Hof von König Gwenddoleu, einem König, der irgendwo im südwestlichen Schottland und nordwestlichen England herrschte. Außerdem glaubte man, dass er den Verstand verlor und in den Wald von Celydon floh, den Kaledonischen Wald der römischen Aufzeichnungen. Dieser bedeckte denselben Großraum: das südliche Schottland und das nördliche England.
Aufgrund dieser geografischen Informationen ist klar, dass Myrddin mit demselben Großraum verbunden war, in dem Artuir mac Aedan lebte. Darüber hinaus war Myrddin auch ein Zeitgenosse Artuirs.
Der zuvor erwähnte König Gwenddoleu fiel um 573 in der Schlacht von Arderydd. Da Myrddin in seinen Diensten stand und bei seinem Tod zugegen war, zeigt dies, dass er zur selben Zeit lebte wie Artuir. Wenn wir Artus mit Myrddins nahegelegenem, zeitgenössischem König Artuir mac Aedan gleichsetzen, ergibt die Vorstellung, dass er als Gefährte Artus’ in die Artussagen aufgenommen wurde, daher einiges an Sinn.
Urien Rheged
Einer der berühmtesten Ritter König Artus’ in den Artussagen war Sir Urien von Gorre. Historisch lässt er sich mit Urien Rheged identifizieren, dessen Beiname von dem Königreich stammt, über das er herrschte. Das Königreich Rheged erstreckte sich offenbar vom Südwesten Schottlands bis in die Nähe der Nordostgrenze von Wales.
Da dies so war, lag sein Königreich sehr nahe bei Dal Riada, das im Südwesten Schottlands lag. Es könnte durchaus tatsächlich eine Grenze mit Rheged geteilt haben. Vor diesem Hintergrund ist es logisch, dass er einer der verbündeten Könige Artuirs gewesen sein könnte, so wie er in den Legenden einer der Verbündeten Artus’ war.
Darüber hinaus unterstützt auch die Chronologie diese Verbindung. Zwar ist das Geburtsdatum Uriens unbekannt, doch kämpften er und sein erwachsener Sohn von den 570er- bis in die 590er-Jahre gegen die Angeln von Bernicia. Damit war er ein perfekter Zeitgenosse Artuirs mac Aedan.
Owain
Eng mit Urien verbunden ist Owain, sein Sohn. Er erscheint in den Artussagen als einer der Ritter Artus’.
Wie sein Vater war auch der historische Owain von Rheged ein Zeitgenosse Artuirs mac Aedan und lebte nicht weit von Dal Riada entfernt, was es plausibel macht, dass er zu seinen Verbündeten gehörte.
Lot von Lothian
Ein weiterer nördlicher König, der in den Legenden als einer der Gefährten König Artus’ erscheint, ist König Lot. Wie Urien und Owain war er einer der Ritter Artus’. Er war außerdem Artus’ Schwager und der Vater von Artus’ berüchtigtem Neffen Mordred.
Lot war der Bruder Uriens und lebte somit etwa zur selben Zeit. Wie Urien war also auch Lot mit Sicherheit ein Zeitgenosse Artuirs. Sein Königreich war Lothian im Südosten Schottlands. Dieses lag unmittelbar östlich von Dal Riada.
Der historische König Lot lebte also zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um ein Gefährte Artuirs mac Aedan gewesen zu sein.
Parzival
Ein weiterer bedeutender Ritter König Artus’ war Parzival, der Ritter, der berühmt nach dem Heiligen Gral suchte. Er erscheint in walisischen Versionen der Artuserzählungen als Peredur. Es gibt gute Belege dafür, dass er als Peredur, der Sohn Eliffers, identifiziert werden kann.
Wie die bisher betrachteten Könige stammte auch Peredur aus einem nördlichen Königreich. Wo genau er herrschte, ist unbekannt, doch ist es möglich, dass sein Herrschaftsgebiet bis nach York im Süden reichte. In der Regel wird er jedoch näher an der schottischen Grenze verortet.
Peredur war also ein historischer Fürst, der relativ nah bei Dal Riada lebte. Darüber hinaus verzeichnen die Annales Cambriae, dass er im Jahr 580 starb. Damit wäre er ein Zeitgenosse Artuirs mac Aedan.
Morgan le Fay
Ein bemerkenswertes Geschwister Artus’ in den Legenden war Morgan le Fay. Sie war eine moralisch zwielichtige oder geradezu böse Zauberin, die Artus auf verschiedene Weise entgegenwirkte. Hätte Artuir mac Aedan eine Schwester namens Morgan gehabt, wäre das ein gewichtiger Beleg dafür, dass er wirklich König Artus war.
Tatsächlich existiert ein mittelalterliches Dokument, das die Existenz einer gewissen „Muirgein, Tochter des Aedan“ bezeugt. Der irischen Tradition zufolge war ihr Geburtsort ein Ort namens Belach Gabrain. Erinnern wir uns, dass Artuirs Großvater Gabrain hieß.
Die Region Gowrei in Schottland wurde tatsächlich, so glaubt man, nach Aedans Vater Gabrain benannt. Vor diesem Hintergrund wurde argumentiert, dass Muirgeins Vater Aedan mit Aedan mac Gabrain, dem König von Dal Riada in Schottland, identisch war.
Dies würde bedeuten, dass Artuir tatsächlich eine Schwester hatte, die im Grunde Morgan hieß – ganz wie König Artus in den Legenden.
Die Schlacht von Camlann
Eine der frühesten Überlieferungen über König Artus verbindet ihn mit einer Schlacht, die als Schlacht von Camlann bekannt ist. Sie wird in den Annales Cambriae erwähnt, einer lateinischen Chronik aus dem zehnten Jahrhundert. Dies ist eine der allerfrühesten Schlachten, mit denen Artus in Verbindung gebracht wird, und viele Gelehrte glauben, dass sie durchaus ein historisches Ereignis gewesen sein könnte.
In dieser Schlacht, so der Eintrag in den Annales Cambriae, „fiel“ Artus. Dies wird fast immer so gedeutet, dass er starb. Dieser knappe Eintrag sagt nicht, gegen wen er kämpfte. Spätere Überlieferungen über diese Schlacht machen jedoch deutlich, dass es sich nicht in erster Linie um eine Schlacht gegen die Angelsachsen handelte.
Es war vielmehr ein Bürgerkrieg unter Briten. Die Gegner waren Artus’ fellow-brythonische Könige. Die Pikten werden laut Geoffrey von Monmouths Historia Regum Britanniae, geschrieben um 1137, ausdrücklich als Beteiligte an diesem Ereignis beschrieben.
Artuirs letzte Schlacht
Wie verhält sich dies zu den verfügbaren Aufzeichnungen über Artuir mac Aedan? Historisch gesehen wird er in den irischen Annalen als gefallen in einer Schlacht verzeichnet, die in die 590er-Jahre datiert wird. Sie scheint um 595 stattgefunden zu haben, obwohl sich das genaue Datum in den verfügbaren Aufzeichnungen nicht eindeutig bestimmen lässt.
Die betreffende Schlacht wurde gegen die Miathi geführt. Dies war ein Stamm, der im südlichen Schottland lebte. Das lässt sich, so die Argumentation, mit den Gegnern Artus’ in der Schlacht von Camlann zur Deckung bringen.
Ganz wie der legendäre König Artus starb also Artuir mac Aedan in einer Schlacht, die er gegen seine Landsleute im Norden Britanniens führte. Aus diesem Grund argumentieren die Befürworter dieser Theorie, dass die Schlacht von Camlann mit dieser historischen Schlacht zwischen Dal Riada und den Miathi identifiziert werden kann.

Einwände gegen diese Theorie
So attraktiv sie auf den ersten Blick auch erscheint, diese Theorie ist nicht ohne ernsthafte Probleme. Betrachten wir nun die oben genannten Belege, die für die Identifizierung König Artus’ mit Artuir mac Aedan angeführt werden, und sehen wir, warum sie einer Prüfung nicht wirklich standhalten.
Der Stein ohne Schwert
Wie wir gesehen haben, besagt diese Theorie, dass Artuir mac Aedan klar König Artus gewesen sei, weil seine Thronbesteigungszeremonie ein Schwert und einen Stein beinhaltete. In Wirklichkeit ist das nicht der Fall.
Entgegen der Behauptung, die manchmal aufgestellt wird, gibt es keinen Beleg dafür, dass bei der Thronbesteigungszeremonie der Könige von Dal Riada je ein Schwert eine Rolle gespielt hätte. Tatsächlich bestand sie lediglich darin, dass der neue König auf den Stone of Scone trat oder auf ihm kniete.
Es gibt keinen Beleg dafür, dass der König dabei ein Schwert halten musste oder dass ein Schwert irgendetwas mit dieser Zeremonie zu tun hatte. Dies schwächt die angebliche Verbindung zwischen dieser historischen Zeremonie und der Legende vom Schwert im Stein erheblich.
Ein weiteres zentrales Problem dieses Arguments ist die schlichte Tatsache, dass Artuir nie König war. Dies ist geradezu ein Kernbestandteil der wenigen Aufzeichnungen, die wir über ihn besitzen. Er starb vor dem Tod seines Vaters, wodurch Aedan letztlich von seinem jüngsten Sohn Eochaid Buide nachgefolgt wurde. Da Artuir nie König war, konnte er diese Thronbesteigungszeremonie auch nie durchlaufen.
Dieser angebliche Beleg, der Artuir mit König Artus verbinden soll, ist daher nicht haltbar.
Merlin des Südens
Auch das Argument bezüglich Merlins bricht zusammen, wenn man die Belege genauer prüft. Zwar ist es richtig, dass Merlin fest mit der Region nahe Dal Riada verbunden war, doch ist das nicht die ganze Geschichte.
Geoffrey von Monmouths Bericht über Merlins Leben, den wir in der Vita Merlini finden, beschreibt ausdrücklich, wie Merlin nach seinem Dienst für Artus – nicht davor – in Verbindung mit jenen nördlichen Königen und Fürsten trat. Es verhielt sich also nicht so, dass er im Norden wirkte, als Wahnsinniger in den Kaledonischen Wald floh und anschließend Artus’ Zauberer wurde.
Nein, im Gegenteil: Geoffreys Bericht stellt Merlins Dienst für Artus als die erste Phase seiner Laufbahn dar, vor jenen Ereignissen im Norden. Tatsächlich wird Merlin bei seiner Vorstellung ausdrücklich als König von Süd-Wales bezeichnet.
Laut Peter Bartrums A Welsh Classical Dictionary stimmt die walisische Tradition damit überein, indem sie den Myrddin des sechsten Jahrhunderts mit Dyfed verbindet, einer der Hauptregionen von Süd-Wales. Die Belege, so wie wir sie tatsächlich besitzen, deuten also darauf hin, dass Myrddins Verbindung mit Artus diesen in Süd-Wales verorten würde, nicht im südlichen Schottland.
Muirgein, die Tochter eines anderen Aedan
Was ist mit dem Beleg, der Artuir mac Aedan eine Schwester namens Muirgein zuschreibt, ähnlich Artus’ Schwester Morgan? Wie wir gesehen haben, stammt er aus einem mittelalterlichen Dokument (dem Martyrology of Óengus aus dem neunten Jahrhundert), das Muirgein als Tochter eines Aedan verzeichnet.
Das Problem ist jedoch, dass diese Aufzeichnung nicht angibt, wer dieser Aedan war. Es stimmt zwar, dass Muirgeins Geburtsort mit Belach Gabrain angegeben wird, was anscheinend auf den Namen von Artuirs Großvater verweist, doch gibt es weitere Belege, die diesen scheinbaren Zusammenhang widerlegen.
Das Dokument mit dem Titel Tripart Life of St Patrick (Dreiteiliges Leben des heiligen Patrick) erwähnt einen Ort namens Bealach-Gabhran, offensichtlich derselbe wie Belach Gabrain, und verortet ihn ausdrücklich in Irland. Eine Reihe von Autoren hat ihn mit dem heutigen Gowran Pass identifiziert.
Interessanterweise erwähnt dasselbe Dokument auch einen gewissen Aedan mac Colman, der in Irland wirkte. Angesichts dieser Belege erscheint es weitaus wahrscheinlicher, dass Muirgein die Tochter dieses Aedan war, nicht Aedans, des Vaters Artuirs.
Weitere Gefährten
Was ist mit den anderen Gefährten Artus’, die nahe Dal Riada wirkten? Auch wenn Myrddin ursprünglich offenbar eine südliche Gestalt war, steht außer Frage, dass viele der Figuren der Legenden definitiv aus dem Norden Britanniens stammten, etwa Urien, Owain, Peredur und Lot.
Es stimmt, dass diese Figuren nahe Dal Riada wirkten und durchaus Zeitgenossen Artuirs mac Aedan gewesen sein könnten. Dies stützt jedoch nicht zwingend die Annahme, dass Artuir König Artus war.
Schließlich gibt es eindeutige Belege dafür, dass viele dieser nördlichen Fürsten aus Dynastien stammten, die mit südlichen Dynastien durch Heiraten verbunden waren. Nehmen wir etwa Urien und Lot. Beide waren Söhne des Cynfarch. Nach einer Reihe mittelalterlicher genealogischer Aufzeichnungen heiratete Cynfarch eine Tochter Brychans, eines Königs aus dem Südosten von Wales.
Angesichts der starken Verbindungen zwischen den Dynastien von Süd-Wales (dem traditionellen Schauplatz König Artus’) und den nördlichen Dynastien, die in zahlreichen Aufzeichnungen bezeugt sind, ist das Argument, diese nördlichen Verbündeten müssten mit Artuir von Dal Riada verbunden gewesen sein, ein sehr schwaches Argument.
Das Rätsel von Camlann
Was ist mit dem Argument, dass die Schlacht von Camlann mit der Schlacht gegen die Miathi identifiziert werden kann, die Artuirs Tod zur Folge hatte?
Das Problem dieses Arguments ist ganz einfach, dass Bürgerkriege in dieser Epoche in Schottland sehr häufig waren. Tatsächlich waren nahezu alle Schlachten des sechsten Jahrhunderts, die in den irischen Annalen verzeichnet sind, Kriege gegen andere keltische Völker – entweder Gruppen von Briten, Pikten oder Skoten –, von denen jede als Entsprechung zur Schlacht von Camlann angeführt werden könnte. Nichts an den Miathi im Besonderen passt zu dem Gegner der legendären Schlacht von Camlann.
Darüber hinaus gibt es keinen Beleg dafür, dass diese Schlacht an einem Ort stattfand, der als Camlann bekannt war. Dieselbe Logik, die diese Schlacht mit Artus’ Schlacht von Camlann verbindet, könnte mit gleicher Berechtigung auf nahezu jede andere Schlacht des sechsten Jahrhunderts in den irischen Annalen angewendet werden.
Ein Mangel an Berühmtheit
Jeder mögliche Kandidat für König Artus muss angesichts von Artus’ Ruf in den Legenden eine renommierte Gestalt gewesen sein. Dieser Ruf zeigt sich bereits in dem Gedicht Y Gododdin vom Ende des sechsten bzw. Anfang des siebten Jahrhunderts. Trifft dies auf Artuir mac Aedan zu?
Die schlichte Tatsache ist, dass es nicht der Fall ist. Ein bemerkenswerter Beleg hierfür ist die Art und Weise, wie Artuir in den irischen Annalen erscheint. In den Annals of Ulster wird Artuir im Eintrag zur Schlacht gegen die Miathi zusammen mit einigen seiner Brüder als in dieser Schlacht gefallen aufgeführt.
Bedeutend ist jedoch, dass Artuir nicht an erster Stelle genannt wird. Tatsächlich wird er als Letzter aufgeführt. Wenn Artuir ein renommierter Krieger war, warum würde er dann an letzter Stelle genannt, als hätte er das geringste Ansehen? Man könnte vielleicht argumentieren, dies liege schlicht daran, dass er der Jüngste war.
Wenn er der Jüngste war, bringt dies seinerseits Probleme für diese Artustheorie mit sich, denn es wäre unlogisch, wenn der jüngste Sohn der oberste Befehlshaber wäre, der die Armeen seines Vaters anführte. Es gibt jedoch ein noch größeres Problem: Im Eintrag zur Schlacht gegen die Miathi in den Annals of Tigernach werden nicht alle Söhne Aedans genannt. Bemerkenswerterweise wird Artuir ausgeschlossen.
Warum also würde Artuir von diesem Eintrag ausgeschlossen, wenn er der berühmte König Artus war? Nach aller Logik zeigt dies doch, dass er ein unbedeutender Prinz war, dessen Beteiligung an dieser Schlacht nicht wichtig oder bemerkenswert genug war, um erwähnt zu werden. Dies spricht deutlich dafür, dass Artuir mac Aedan nicht der König Artus der Legende gewesen sein kann.
Chronologische Probleme
Der vielleicht gewichtigste Einwand gegen diese Theorie überhaupt ist die Tatsache, dass sie nicht mit der Fülle chronologischer Informationen über König Artus übereinstimmt, wie sie in den Legenden vorliegen. So soll Artus’ größter Sieg bei Badon errungen worden sein, wo er einen entscheidenden Sieg über die Angelsachsen errang.
Diese Schlacht wird von Gildas erwähnt, der sie dreiundvierzig Jahre vor seiner eigenen Abfassungszeit ansetzt. Auch wenn wir nicht sicher wissen, wann genau Gildas schrieb, besteht Einigkeit, dass es nicht später als im sechsten Jahrhundert war.
Selbst wenn wir annehmen, dass Gildas – wofür es einige Belege gibt – fast ganz am Ende des sechsten Jahrhunderts schrieb, würde dies die Schlacht von Badon allenfalls in die Nähe von Artuirs Geburtsdatum rücken. Aus diesem Grund ist es unmöglich, dass Artuir den größten Sieg errungen hat, der Artus in den Legenden zugeschrieben wird.
Darüber hinaus würde dies den Informationen widersprechen, die in den Lives of the Saints (Viten der Heiligen) zu finden sind, den Biografien verschiedener religiöser Gestalten, die in der Artuszeit wirkten. In diesen Aufzeichnungen wird Artus klar ins frühe und mittlere sechste Jahrhundert eingeordnet, niemals aber so spät wie Artuir.
So erläutert etwa die Life of St Illtud (Vita des heiligen Illtud), dass Illtud einige Zeit an Artus’ Hof verbrachte. Dies wird gleich zu Beginn des Dokuments angesiedelt, sehr früh in Illtuds Laufbahn. Anschließend gründet er eine Schule und unterweist in der Mitte des sechsten Jahrhunderts zahlreiche Menschen. Er wird gezeigt, wie er mit Samson verkehrt, bevor dieser in die Bretagne ging, wo er 560 half, Graf Conomor zu stürzen. All dies spielt sich nach Illtuds Zeit in Artus’ Diensten ab.
Die chronologischen Informationen über Artus aus nahezu allen Aufzeichnungen müssten also verworfen werden, damit diese Theorie aufrechterhalten werden kann. Anstatt auf den Belegen aus den Artus-Überlieferungen aufzubauen, versucht diese Theorie über Artuir vielmehr, die Belege der Theorie anzupassen, indem alles als ungenau verworfen wird, was nicht hineinpasst.
Fazit
Zusammenfassend wird die Vorstellung, Artuir mac Aedan sei der historische König Artus gewesen, von einigen vor allem deshalb bevorzugt, weil er ein historischer Prinz war, der im sechsten Jahrhundert in Britannien als Krieger wirkte und dessen Name mit dem Namen Artus’ übereinstimmt. Stützende Belege für diese Theorie bestehen in erster Linie in Gefährten Artus’, die angeblich historisch mit Artuir in Verbindung gebracht werden können.
In Wirklichkeit sind die meisten Belege, die zur Unterstützung dieser Theorie angeführt werden, entweder schwach oder falsch, etwa die angebliche Verbindung zwischen Myrddin und dem Norden während seines Dienstes für Artus. Darüber hinaus gibt es eindeutige Belege dafür, dass Artuir kein renommierter Krieger war. Am bedeutendsten ist, dass die chronologischen Informationen über König Artus in den Legenden mit Artuir mac Aedan völlig unvereinbar sind.
Quellen
Ardrey, Adam, Finding Arthur: The True Origins of the Once and Future King, 2014
Bartrum, Peter, A Welsh Classical Dictionary, 1993
Howells, Caleb, King Arthur: The Man Who Conquered Europe, 2019
https://mythbank.com/was-the-sword-in-the-stone-real/
https://clanarthur.org/history/arthur-the-chieftain/artur-and-aedan/







