Iphis
Auf Kreta lebte ein Mann namens Lidgus, der verzweifelt einen Sohn herbeisehnte – ein Mann einfacher Herkunft aus der Stadt Phaestus. Seine Frau Telethusa war schwanger. Lidgus erklärte, dass er das Mädchen töten lassen würde, falls seine Frau eine Tochter zur Welt brächte.
Die Erklärung ihres Mannes beunruhigte Telethusa zutiefst, doch die ägyptische Göttin Io, Tochter des Inachus (oder Isis, Gemahlin des Osiris), erschien ihr im Traum und erteilte ihr Rat, wie sie ihre Tochter retten könne.
Als sie eine Tochter gebar, ließ Telethusa die Amme (Hebamme) erklären, sie habe einen Sohn zur Welt gebracht. Lidgus war hocherfreut über seinen Sohn und nannte das Kind Iphis (Ἶφις) – ein Name, der sowohl für einen Jungen als auch für ein Mädchen gebraucht werden konnte.
Nur Telethusa und die Amme kannten das wahre Geschlecht von Iphis, sodass die Tochter als Knabe erzogen wurde.
Als Iphis das dreizehnte Lebensjahr erreichte, arrangierte ihr Vater die Verlobung zwischen Iphis und Ianthe (Ἰάνθη), der schönen Tochter des Telestes. Die beiden Mädchen verliebten sich sogleich ineinander.
Doch Iphis begann zu verzweifeln, als die Hochzeit näher rückte. Iphis fragte sich: “Wie kann sie ein anderes Mädchen lieben? Wie können sie eine Familie gründen?”
Ebenso war Telethusa entsetzt bei dem Gedanken, dass ihr Mann ihr Geheimnis entdecken könnte, und verschob die Hochzeit ihrer Tochter immer wieder, indem sie Iphis vorgab, an einer Art Krankheit zu leiden.
Schließlich ließ sich die Hochzeit nicht länger aufschieben. Telethusa und Iphis fürchteten, dass Lidgus und Ianthe ihr Geheimnis entdecken würden. So beteten Telethusa und ihre Tochter zu Io beziehungsweise Isis um Hilfe. Die Göttin erhörte sie.
Als Iphis den Gang zum Altar hin zu ihrer Braut schritt, verwandelte die Göttin das Mädchen allmählich in einen Mann. Iphis heiratete Ianthe als Mann und Frau, und Telethusas altes Geheimnis blieb gewahrt.
Verwandte Informationen
Quellen
Die Metamorphosen wurden von Ovid verfasst.
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