Pythische Ode 1

Classical

(Lyrisches Gedicht, Griechisch, 470 v. Chr., 100 Verse)

Einleitung

“Pythische Ode 1” gehört zu den bekannteren unter den zahlreichen Siegesgedichten (oder “Epinikien”) des antiken griechischen Lyrikers Pindar. Wie “Olympische Ode 1” feiert sie einen Sieg des sizilischen Tyrannen Hieron von Syrakus, diesmal im Wagenrennen bei den Pythischen Spielen des Jahres 470 v. Chr. Ein solches Siegesgedicht wurde in der Regel von einem Angehörigen des Siegers in Auftrag gegeben und gewöhnlich bei dessen Rückkehr in die Heimatstadt gesungen und getanzt.

Pindar-Büste

Pindar-Büste

Inhaltsangabe

Das Gedicht eröffnet mit einem überschwänglichen Lobpreis der Musik, insbesondere der Musik der Leier (des Instruments, das die öffentliche Aufführung des Gedichts begleitet hätte und somit ein durchgehendes einheitsstiftendes Symbol bildet), und von der Kraft der Musik, selbst den kriegerischen Zeus und Mars zu besänftigen. Die Musik wird zu einem Geist der Heiterkeit, Ordnung und Harmonie im gesamten Kosmos erhoben.

Pindar verknüpft sodann einige der Ungeheuer, die Zeus bezwingen musste, als sie die Welt mit Chaos bedrohten (insbesondere den Riesen Typhon, den Zeus der Legende nach schließlich unter dem Ätna begrub), mit Ereignissen der jüngeren sizilischen Militärgeschichte, wie der Niederlage der Etrusker bei Kyme 474 v. Chr. durch Hieron und Gelon sowie der Niederlage der Karthager bei Himera 480 v. Chr. Er zieht zudem eine Verbindung zwischen diesen Siegen und den wohl noch eindrucksvolleren und bedeutsameren zeitgenössischen Siegen der griechischen Festland-Mächte über die Perser.

Er schildert die Gründung der Stadt Aitna unter der Herrschaft von Hierons Sohn Deinomenes als Errichtung eines neuen Vorpostens der ruhmreichen dorischen Lebensweise und deutet an, dass Hierons Sieg bei den Pythischen Spielen ein gutes Omen für die künftige Blüte der neuen Stadt darstelle.

Analyse

Als relevanter historischer Hintergrund zum Gedicht ist anzumerken, dass Hieron kürzlich seinen Sohn Deinomenes als König der neugegründeten Stadt Aitna auf Sizilien eingesetzt hatte; in gewisser Hinsicht ist das Gedicht zugleich eine Art Krönungshymne für Deinomenes. Pindar legt nahe, dass der pythische Sieg ein gutes Vorzeichen für die künftige Wohlfahrt der neuen Stadt biete.

Hieron von Syrakus und Sieger

Hieron von Syrakus und Sieger

Technisch stellt das 100 Verse umfassende Gedicht eine vollkommen gegliederte Struktur dar und zeigt eine kompositorische Geschlossenheit, die in nur wenigen von Pindars sonst erhaltenen Gedichten anzutreffen ist. Es verwendet die bei Pindar-Epen übliche triadische, also dreiteilige Struktur: eine Strophe (zwei oder mehr als Einheit wiederholte Verse), gefolgt von einer metrisch harmonischen Antistrophe und schließlich einer Epode (Zusammenfassungsvers) in einem anderen Metrum.

Ressourcen

  • Englische Übersetzung der Pythischen Ode 1 (Perseus Project)
  • Griechischer Text der Pythischen Ode 1 mit Wort-für-Wort-Übersetzung (Perseus Project)

Erstellt:1. Januar 2025

Geändert:18. November 2024