Carmen Saeculare
(Lyrisches Gedicht, Latein/Römisch, 17 v. Chr., 76 Verse)
Einleitung
“Carmen Saeculare” (wörtlich “säkularer Hymnus”, meist übersetzt als “Lied der Zeitalter”), mitunter kurz “das Carmen” genannt, ist ein Hymnus oder eine Ode des römischen Lyrikers Horaz, im Auftrag des römischen Kaisers Augustus im Jahre 17 v. Chr. verfasst. Es handelt sich um eine Sammlung mythologischer und religiöser Verse, die zur Wiederherstellung der Tradition und zur Verherrlichung der Götter aufrufen, insbesondere von Phoebus, Diana, Jupiter und Venus.
Übersicht
Das Gedicht nimmt die Form eines Gebets oder Hymnus an, gerichtet an Phoebus (oder Apollo) und Diana (Artemis).
Es bittet die Götter, die große Stadt Rom und ihr Reich zu segnen, und preist die Errungenschaften des modernen Roms und des Kaisers Augustus. Insbesondere erbittet es Schutz für die gebärenden Mütter der Stadt und die Heiligkeit ihrer Ehen und fordert sodann die Schicksalsgöttinnen und die Götter der Erde auf, die Ernte zu segnen und einen ertragreichen Erntesegen zu gewährleisten. Unter Rückbesinnung auf die ruhmreiche Vergangenheit Roms, bis hin zu seiner Gründung durch den göttlich geborenen Aeneas und seinen Nachfahren Romulus, bittet der Hymnus um Erfolg in Roms militärischen Unternehmungen.
Das Gedicht schließt mit einem erneuten Ruf an Phoebus und Diana, die Gebete der Kinder zu erhören und ihren Schutz sowie ihre Förderung Roms und seines Volkes zu gewähren.
Analyse
“Das Carmen” ist ein Chorhymnus, verfasst von Horaz auf Geheiß des Kaisers Augustus, aufzuführen als Festhymnus bei der Eröffnungszeremonie der “ludi saeculares” (“Säkularspiele”) durch einen Chor aus siebenundzwanzig Knaben und siebenundzwanzig Mädchen. Die “ludi saeculares” waren ein aufwendiges Fest von Spielen, Opfern und Aufführungen, das etwa alle hundert Jahre während der Zeit der Römischen Republik abgehalten wurde – eine Tradition, die Kaiser Augustus bald nach seiner Etablierung als oberste Macht in Rom nach seinem endgültigen Sieg über Marcus Antonius und Kleopatra wieder aufleben ließ.
Zu jener Zeit bekleidete Horaz praktisch die Stellung eines Hofdichters des Augustus, und es verwunderte nicht, dass er mit der Komposition des Festhymnus für die Spiele betraut wurde. Es ist der erste vollständig erhaltene lateinische Hymnus, dessen Aufführungsbedingungen gesichert bekannt sind, und zugleich die einzige Lyrik des Horaz, deren ursprünglich mündliche Erstaufführung mit Gewissheit bezeugt ist.
Das Werk ist durchgehend in einem erhabenen und religiösen Ton verfasst und in sapphischem Metrum komponiert, bestehend aus neunzehn vierversigen sapphischen Strophen (drei hendecasyllabische Verse von je elf Silben und ein vierter Vers von fünf Silben).
Quellen
- Englische Übersetzung von A. S. Kline (Poetry in Translation): http://www.poetryintranslation.com/PITBR/Latin/HoraceEpodesAndCarmenSaeculare.htm#_Toc98670048
- Lateinische Version (The Latin Library): http://www.thelatinlibrary.com/horace/carmsaec.shtml


