Catullus 93: Übersetzung
Einleitung
Catull lebte zur Zeit Julius Caesars. Sein Vater war mit dem Senator und Feldherrn befreundet, doch Catull hegte keine Achtung vor diesem Mann. Caesar war mit Pompeius verbündet, und Catull verfasste mehrere Verse, in denen er ihn anprangerte. In anderen Gedichten spendet Catull Caesar sarkastischen Beifall für seine Feldzüge in Gallien und Britannien.
In Gedicht 93 befragt der Dichter Caesar und stellt infrage, ob er ein guter Mensch ist oder nicht. Catull möchte kein Gefolgsmann Caesars sein. Tatsächlich ist er durchaus bereit, das Gegenteil zu sein. Er möchte auch nicht wissen, wo Caesar in sexueller Hinsicht steht. In der zweiten Zeile hinterfragt Catull, ob Caesar eine helle oder dunkle Hautfarbe hat. Caesars Hautfarbe wäre für Catull leicht festzustellen, weshalb die Frage nicht seine tatsächliche Hautfarbe betrifft, sondern seine sexuelle Rolle.
Hell und Dunkel sind Gegensätze. Catull fragt, ob Caesar in einer homosexuellen Beziehung die aktive oder die passive Rolle einnimmt. Albus und āter waren Fachbegriffe für die Rollen, die Männer in der Homosexualität spielten. Albus, also weiß, bezeichnete den passiven, weibisch erscheinenden Mann in der Beziehung. Der ater, also schwarz, war der männliche Teil der Beziehung.
Catull schätzte das politische Leben nicht, insbesondere wenn es mit Krieg verbunden war. Da Caesar ein Feldherr war und an der Eroberung Galliens beteiligt war (wo Catull lebte), lernte er, Caesar zu verabscheuen. Er hielt Caesar für arrogant und aggressiv. Er hätte wahrscheinlich mit Vergnügen Shakespeares Drama gelesen und die Art und Weise, wie die Senatoren ihn auf dem Boden des Senats erschlugen.
Durch Caesar lernte Catull Mamurra kennen, den er wiederholt als “Herr Penis” bezeichnet. Es gibt Berichte, dass Caesar versuchte, Catull zum Schweigen zu bringen, doch schließlich söhnten sich die beiden aus. Leider starb Catull jung, sodass niemand genau weiß, was aus ihrer Beziehung noch hätte werden können.
Carmen 93
| Zeile | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | NIL nimium studeo, Caesar, tibi uelle placere, | Ich habe keine sonderlich große Begierde, dir gefällig zu sein, Caesar, |
| 2 | nec scire utrum sis albus an ater homo | noch zu wissen, ob dein Teint hell oder dunkel ist. |
