Ars Amatoria

Classical

(Lehrdichtung/Elegie, Lateinisch/Römisch, 1 n. Chr., 2.330 Verse)

Historische Illustration aus der Ars-Amatoria-Ausgabe von 1644

Historische Illustration aus der Ars-Amatoria-Ausgabe von 1644

Einleitung

“Ars Amatoria” (“Die Liebeskunst”) ist eine Sammlung von 57 Lehrgedichten – oder genauer: eine Burleske auf die Gattung der didaktischen Dichtung – in drei Büchern des römischen Lyrikers Ovid, in elegischen Distichen verfasst und um das Jahr 1 n. Chr. vollendet und veröffentlicht. Das Werk belehrt darüber, wie und wo man Frauen (und Ehemänner) in Rom findet, wie man sie verführt und wie man verhindert, dass andere sie einem abspenstig machen.

Inhaltsübersicht

Eine knappe Zusammenfassung der drei Bücher der “Ars Amatoria” lässt sich wie folgt darlegen:

Buch 1

Illustration zu Buch 1 der Ars Amatoria

Illustration zu Buch 1 der Ars Amatoria

  • Teil I: Seine Aufgabe.
  • Teil II: Wie man sie findet.
  • Teil III: Suche beim Spazierengehen.
  • Teil IV: Im Theater.
  • Teil V: Bei den Wagenrennen oder im Zirkus.
  • Teil VI: Auch Triumphe sind geeignet.
  • Teil VII: Beim Gastmahl.
  • Teil VIII: Am Strand.
  • Teil IX: Wie man sie gewinnt.
  • Teil X: Gewinne zuerst die Dienerin.
  • Teil XI: Vergiss ihren Geburtstag nicht.
  • Teil XII: Schreibe und versprich.
  • Teil XIII: Sei überall, wo sie ist.
  • Teil XIV: Sorge für ein gepflegtes Äußeres.
  • Teil XV: Sei beim Gastmahl keck.
  • Teil XVI: Versprich und täusche.
  • Teil XVII: Tränen, Küsse und die Initiative.
  • Teil XVIII: Sei blass und hüte dich vor deinen Freunden.
  • Teil XIX: Sei anpassungsfähig.

Buch 2

  • Teil I: Seine Aufgabe.
  • Teil II: Du brauchst Gaben des Geistes.
  • Teil III: Sei sanftmütig und gut gelaunt.
  • Teil IV: Sei geduldig und nachgiebig.
  • Teil V: Sei nicht kleinzumutig.
  • Teil VI: Gewinne das Dienstpersonal.
  • Teil VII: Mache ihr kleine, geschmackvolle Geschenke.
  • Teil VIII: Bevorzuge sie und lobe sie.
  • Teil IX: Tröste sie in der Krankheit.
  • Teil X: Lass sie dich vermissen (aber nicht zu lange).
  • Teil XI: Habe andere Freundinnen (aber mit Vorsicht).
  • Teil XII: Über den Gebrauch von Liebestränken.
  • Teil XIII: Wecke ihre Eifersucht.
  • Teil XIV: Sei klug und dulde.
  • Teil XV: Respektiere ihre Freiheit.
  • Teil XVI: Halte es geheim.
  • Teil XVII: Erwähne nicht ihre Fehler.
  • Teil XVIII: Frage niemals nach ihrem Alter.
  • Teil XIX: Übereile nichts.
  • Teil XX: Die Aufgabe ist vollbracht (vorerst …).

Buch 3

Illustration zu Buch 3 der Ars Amatoria

Illustration zu Buch 3 der Ars Amatoria

  • Teil I: Nun ist es an der Zeit, die Frauen zu unterweisen.
  • Teil II: Achte auf dein Äußeres.
  • Teil III: Geschmack und Eleganz in Haartracht und Kleidung.
  • Teil IV: Schminke, aber nur im Verborgenen.
  • Teil V: Verberge deine Makel.
  • Teil VI: Sei zurückhaltend im Lachen und in der Bewegung.
  • Teil VII: Lerne Musik und lies die Dichter.
  • Teil VIII: Lerne Tanzen und Spiele.
  • Teil IX: Lass dich sehen.
  • Teil X: Hüte dich vor falschen Liebhabern.
  • Teil XI: Sei vorsichtig mit Briefen.
  • Teil XII: Meide die Laster, begünstige die Dichter.
  • Teil XIII: Probiere junge und ältere Liebhaber.
  • Teil XIV: Nutze Eifersucht und Furcht.
  • Teil XV: Spiele Versteckspiel.
  • Teil XVI: Lass ihn glauben, er sei geliebt.
  • Teil XVII: Achte darauf, wie du isst und trinkst.
  • Teil XVIII: Und so zu Bett ….

Analyse

Die ersten beiden Bücher von Ovids “Ars Amatoria” wurden um 1 v. Chr. veröffentlicht; das dritte Buch, das dieselben Themen aus der weiblichen Perspektive behandelt, erschien im darauffolgenden Jahr 1 n. Chr. Das Werk war ein großer publikumswirksamer Erfolg, sodass der Dichter bald darauf einen ebenso beliebten Nachfolgeband verfasste: die “Remedia Amoris” (“Heilmittel gegen die Liebe”), das stoische Ratschläge und Strategien bot, wie man sich vor Liebesschmerzen bewahrt und wie man sich aus der Liebe löst.

Die Liebeskunst – historische Illustration

Die Liebeskunst – historische Illustration

Es wurde jedoch nicht durchweg Beifall geerntet: Es gibt Berichte, dass einige Zuhörer aus Abscheu frühe Lesungen verließen. Viele haben vermutet, dass die Derbheit und Zügellosigkeit der “Ars Amatoria” mit ihrer Feier des außerehelichen Verkehrs maßgeblich für Ovids Verbannung aus Rom im Jahr 8 n. Chr. durch Kaiser Augustus verantwortlich war, der zu jener Zeit eine strengere Sittlichkeit zu fördern suchte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Ovid in die parteipolitischen Machenschaften im Zusammenhang mit der Thronfolge und/oder andere Skandale verstrickt geriet (Augustus’ Adoptivsohn Postumus Agrippa und seine Enkelin Julia wurden etwa zur selben Zeit verbannt). Es ist jedoch möglich, dass die “Ars Amatoria” als offizieller Vorwand für die Verbannung diente.

Obwohl das Werk kaum unmittelbar anwendbare praktische Ratschläge erteilt, sondern vielmehr mit kryptischen Anspielungen arbeitet und den Gegenstand mit der Weite und Intelligenz urbaner Konversation behandelt, ist die oberflächliche Brillanz der Dichtung dennoch schillernd. Die typischen Situationen und Klischees des Themas werden überaus unterhaltsam dargestellt, gewürzt mit farbigen Details aus der griechischen Mythologie, dem römischen Alltag und der allgemeinen menschlichen Erfahrung.

Durch seinen ganzen ironischen Diskurs hindurch vermeidet es Ovid, geradezu derb oder obszön zu werden; sexuelle Angelegenheiten werden als solche nur in gekürzter Form gegen Ende jedes Buches behandelt, wobei Ovid auch hier seinen Stil und sein Feingefühl wahrt und jeden pornographischen Anklang vermeidet. So behandelt beispielsweise das Ende des zweiten Buches die Wonnen des gleichzeitigen Orgasmus, und das Ende des dritten Teils erörtert verschiedene Stellungen – wenn auch in eher salopper und augenzwinkernder Manier.

Dem Gegenstand angemessen ist das Gedicht in den elegischen Distichen der Liebesdichtung verfasst und nicht in den daktylischen Hexametern, die üblicherweise mit der Lehrdichtung assoziiert werden. Elegische Distichen bestehen aus abwechselnden Zeilen von daktylischem Hexameter und daktylischem Pentameter: zwei Daktylen gefolgt von einer langen Silbe, einer Zäsur, dann zwei weitere Daktylen gefolgt von einer langen Silbe.

Die literarische Brillanz und die populäre Zugänglichkeit des Werkes haben sichergestellt, dass es eine weithin gelesene Inspirationsquelle blieb; im 11. und 12. Jahrhundert war es in die Lehrpläne der mittelalterlichen europäischen Schulen aufgenommen. Gleichzeitig fiel es in der Folgezeit immer wieder moralischer Ächtung anheim: Alle Werke Ovids wurden 1497 von Savonarola in Florenz verbrannt; Christopher Marlowes Übersetzung der “Ars Amatoria” wurde 1599 verboten; und eine weitere englische Übersetzung wurde noch 1930 vom amerikanischen Zoll beschlagnahmt.

Quellen

Erstellt:25. Oktober 2024

Geändert:25. Oktober 2024