Catullus 104 Übersetzung
Einleitung In diesem Gedicht hinterfragt Catullus, warum “du und Tappo” Dinge zu Vorzeichen machen. In der ersten Verszeile des Gedichts fragt Catullus, warum jemand glaubt, übel über “mein Leben” sprechen zu können, was eine Anspielung auf Lesbia ist, die Frau, die er liebt. In der zweiten Zeile erklärt er, sie sei ihm teurer als beide seiner Augen.
Dann teilt er in den Versen drei und vier mit, dass es unmöglich gewesen wäre, jemals Übles über sie zu sagen. Doch zwei Personen, darunter eine ungenannte Person und Tappo, verhalten sich prodigiös, also unnatürlich abwegig. Catullus offenbart in Vers drei, dass er ruinös in Lesbia verliebt ist. Dadurch stellt sich die Frage: Was machen diese Menschen zu Vorzeichen? Was auch immer es ist, es hängt mit Catullus’ Liebe zu Lesbia zusammen.
In anderen Übersetzungen wurde das Wort “Vorzeichen” anstelle von “prodigiös” verwendet. Das Wort ergibt hier mehr Sinn als “prodigiös”. Ein Vorzeichen ist ein Zeichen dafür, dass etwas Bedeutsames geschehen wird. Es könnte auch bedeuten, dass Tappo und sein Gefährte bereit sind, Drama zu entfachen und Gerüchte zu verbreiten. Sie werden Geschichten über Catullus und Lesbia erfinden.
Interessanterweise bedeutet der Ausdruck non potui “zum Zeitpunkt der Niederschrift”. Zum damaligen Zeitpunkt konnte er also nicht Übles über Lesbia gesagt haben. Doch später fällt Catullus tatsächlich aus der Liebe zu Lesbia. Sie geht eine Beziehung mit einem anderen Mann ein, während sie mit Catullus und ihrem Ehemann zusammen ist. Während seiner Zeit mit Lesbia konnte er also nicht Übles über sie sprechen. Zu einem anderen Zeitpunkt jedoch wäre dies möglich gewesen. Beachtenswert ist, dass Catullus das Wort “ruinös” verwendet, um seine Liebe zu Lesbia zu beschreiben. Er verfasste diese Zeilen gegen Ende der Beziehung in dem Wissen, dass der Ruin bevorstand. Seine Beziehung zu Lesbia ist jedoch nicht etwas, das andere Personen angeht, denn es ist sein Leben, nicht ihres.
Carmen 104
| Vers | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | CREDIS me potuisse meae maledicere uitae, | Glaubst du, dass ich jemals übel über mein Leben hätte sprechen können, |
| 2 | ambobus mihi quae carior est oculis? | über sie, die mir teurer ist als beide meine Augen? |
| 3 | non potui, nec, si possem, tam perdite amarem: | Nein, ich konnte es niemals tun; noch, wenn ich es verhindern könnte, würde ich so ruinös lieben. |
| 4 | sed tu cum Tappone omnia monstra facis. | Doch du und Tappo macht aus allem Vorzeichen. |
