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Catull 53 – Übersetzung

Classical

Einleitung

Catull 53 handelt von einem Mann, der den Dichter zum Lachen brachte. Der Dichter lachte, weil ein Mann sich über Calvus lustig machte, der gerade Vatinius anklagte. Der Mann nannte Calvus ein Männlein, also eine Person von sehr geringer Körpergröße.

In der ersten Verszeile informiert Catull den Leser darüber, dass ein Mann in der Menge ihn zum Lachen brachte. Catull verwendet das Wort “Bursche”, was darauf hindeutet, dass Catull selbst ebenfalls in der Menge stand und Calvus zuhörte. In der zweiten Zeile bezieht sich Catull auf seinen “lieben Calvus” und beschreibt, wie sein Freund in “glänzendem Stil” sprach. In der dritten Zeile erfahren wir, dass die Rede Calvus’ Anklagen gegen Vatinius enthielt, welcher ein enger Freund Caesars war. Weder Catull noch Calvus schätzten Caesar, noch die Menschen in seinem engsten Kreis.

In der vierten Zeile reagiert der Mann auf Calvus’ Worte, indem er die Hände in einer Geste des Staunens erhebt. In der fünften Zeile kommentiert der Mann Calvus’ geringe Körpergröße, jedoch auch seine beredte Art zu sprechen. Calvus war als Dichter und Redner bekannt, der tatsächlich eine Rede gegen Vatinius hielt; jedoch wurde der Freund Caesars durch eine andere Rede Ciceros freigesprochen.

Als Dichter war Calvus am bekanntesten für seine Verse, die Caesar und dessen homosexuelle Beziehungen zum König von Bithynien verspotteten. Calvus beschuldigte Caesar in seiner Dichtung zudem, ein Verhältnis mit Pompeius zu haben. Catull widmete seinem Freund vier Gedichte.

In Catull 53 gewinnen wir einen Einblick in den Humor des Dichters und zeigt, wie vertraut er mit seinem Freund war. Heute machen sich Männer oft über die Schwächen ihrer Freunde lustig, und dieses Gedicht zeigt uns, dass diese Praxis bis in die Antike zurückreicht. Natürlich neckten sich Männer gegenseitig wegen ihrer Körpergröße — oder deren Fehlen. Die Zeitgenossen hätten diese Zeile über den kleinen, jedoch beredten Mann als Anspielung auf Vatinius’ Reaktion auf seine Anklage erkannt, da dieser seine Beredsamkeit nutzte, um einer Verurteilung zu entgehen.

Catull weist auf die Ironie hin, dass ein Mann von kleiner Statur zugleich beredt sein kann, zumal Calvus die Erwartungen des Mannes im Publikum übertraf. Die Brillanz dieses Gedichts kommt durch ein einziges lateinisches Wort zum Ausdruck: salaputium. Dieses seltsame Wort haben Gelehrte über Jahre hinweg debattiert. Die meisten sind sich einig, dass das Wort “kleiner Mann” oder “Männlein” bedeutet, doch es taucht in kaum einem anderen antiken Text auf. Die Wahl eines Wortes mit so vielen Silben macht es schwierig, das lyrische hendecasyllabische Metrum einzuhalten.

Carmen 53

ZenzeileLateinischer TextDeutsche Übersetzung
1RISI nescio quem modo e corona,Ein Bursche in der Menge brachte mich gerade zum Lachen:
2qui, cum mirifice Vatinianaals mein lieber Calvus in glänzendem Stil vorgetragen hatte
3meus crimina Caluos explicassetseine Anklagen gegen Vatinius,
4admirans ait haec manusque tollens,erhob er staunend die Hände und sprach:
5’di magni, salaputium disertum!''Große Götter’, sagte er, ‘was für ein beredtes Männlein!’

Quellen

VRoma-Projekt

Erstellt:1. Januar 2025

Geändert:27. Oktober 2024