Catullus 110 Übersetzung
Einführung
In Catullus 110 richtet der Dichter sein Wort an Aufilena, die Geliebte des Politikers Caelius. Sie und ihr Bruder Aufilenus sind Favoriten des Caelius und eines seiner Freunde. In diesem und anderen Gedichten warnt Catullus sie vor ihrer Lebensweise und was ihr zustoßen könnte. In 111 warnt Catullus sie davor, Kinder (Cousins) mit ihrem Onkel zu zeugen. In diesem Gedicht warnt er sie vor der Prostitution zuliebe ihres Liebhabers.
In den Versen eins und zwei schreibt Catullus darüber, dass gütige Mätressen hochgelobt werden, weil sie erreichen, was sie sich vorgenommen haben. Sie erhalten den Preis, den sie verdienen. In den Versen drei und vier beklagt Catullus, dass Aufilena keine gute Mätresse ist, weil sie nicht hielt, was sie versprach. Er nennt ihr Verhalten — nehmen und nicht geben — einen niederträchtigen Trick. Man bedenke, dass Skorbut eine Krankheit ist, die geheilte Wunden wieder öffnet und das Zahnfleischen bluten lässt. Sie muss Catullus oder einem anderen Mann Schmerz zugefügt haben, als sie das, wofür bezahlt wurde, nicht lieferte.
In den Versen fünf und sechs spricht der Dichter davon, dass Nachgiebigkeit ehrenhaft sei, nicht zu versprechen keusch sei, sie aber alles an sich nimmt, was sie kann. Catullus muss für Beziehung bezahlt haben, und sie hat nicht geliefert — stattdessen blieb sie keusch, indem sie sich außerehelicher Beziehungen enthielt.
Catullus beendet das Gedicht mit dem Distichon in den Versen sieben und acht. Darin spricht er davon, wie sie jemanden betrogen hat, der sein Recht hatte. Dies macht sie habgieriger als eine Hure, die sich und ihren Körper verkauft. Technisch gesehen ist eine Hure eine Prostituierte, die ihren Körper verkauft, doch Catullus verweist auf jemanden, der mehr als ihren Körper verkauft hat. Sich selbst zu verkaufen scheint der Vorwurf zu sein, den er Aufilena macht, die offenbar ihre Versprechen und das Vertrauen in einem schmutzigen Trick verkauft hat, der alte Wunden bei Catullus wieder aufriss.
Carmen 110
| Vers | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | AVFILENA, bonae semper laudantur amicae: | AUFILENA, gütige Mätressen werden stets hochgelobt; |
| 2 | accipiunt pretium, quae facere instituunt. | sie erhalten ihren Preis für das, was sie zu tun beabsichtigen. |
| 3 | tu, quod promisti, mihi quod mentita inimica es, | Du bist keine wahre Mätresse, denn du hast versprochen und brichst nun deinen Eid; |
| 4 | quod nec das et fers saepe, facis facinus. | du nimmst und gibst nicht, und das ist ein niederträchtiger Trick. |
| 5 | aut facere ingenuae est, aut non promisse pudicae, | Nachzugeben wäre ehrenhaft, nicht zu versprechen wäre keusch; |
| 6 | Aufillena, fuit: sed data corripere | aber alles an sich zu nehmen, |
| 7 | fraudando officiis, plus quam meretricis auarae | und jemanden um sein Recht zu betrügen, zeigt eine Frau, die habgieriger ist als eine Hure, |
| 8 | quae sese toto corpore prostituit. | die sich und ihren ganzen Körper prostituiert. |
