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Catullus 42 – Übersetzung

Classical

Einleitung

In diesem Gedicht spricht Catullus eine Frau an, die nicht Lesbia ist. Er nennt die Frau eine “hässliche Dirne” und spricht darüber, dass sie seine Schrifttafeln nicht zurückgeben will. Auf diesen Tafeln befinden sich seine Gedichte, seine Hendekasyllaben. Catullus möchte ihr mit einem Freund folgen, um seine Tafeln zurückzubekommen.

In Vers sieben fragt er den Leser, wer sie sei. Dann beantwortet er die Frage selbst. Er nennt sie diejenige mit dem hässlichen Gang, die grinst wie ein “gemeiner Marktschreier.” Ein Marktschreier ist ein Scharlatan, ein Gauner oder ein Hochstapler. In Vers 9 sagt er, sie habe das Maul eines Hundes.

Er möchte mit seinen Freunden um sie herumstehen und sie zurechtweisen, damit sie die Tafeln zurückgibt. Er möchte sie eine schmutzige Dirne oder eine verworfene Hure nennen. Er bezeichnet sie als Unrat und als Bestie sowie mit allen anderen Schimpfwörtern, die ihm einfallen. Da er Catullus ist, fallen ihm reichlich welche ein!

Daraufhin sagt er, dass dies nicht ausreiche. Er müsse die Frau zum Erröten bringen. Er verwendet Alliteration mit den Wörtern Erröten, unverschämt, Bestie. Dann möchte er mit lauterer Stimme auf sie einschreien und ihr dasselbe sagen — sie solle die Tafeln zurückgeben. Leider bringt das Schreien nicht das gewünschte Ergebnis. Er erzielte nichts damit, denn es beeindruckt sie nicht.

Catullus erkennt sodann, dass er seine Methode ändern und sie auf bessere Weise behandeln muss. Stattdessen wird ihm klar, dass eine Frau ihm wohlgesinnt sein würde, wenn er ihr Komplimente macht. In der letzten Zeile sagt er, er solle sie ein Mädchen nennen, das sittsam und keusch ist.

Die letzten drei Verse des Gedichts scheinen nicht aus Catullus’ eigener Stimme zu stammen. Vielmehr schreibt er sie so, als gäbe sein Freund ihm einen Rat, wie er von einer Frau bekommen könne, was er begehrt.

Carmen 42

VersLateinischer TextDeutsche Übersetzung
1ADESTE, hendecasyllabi, quot estisHerbei, Hendekasyllaben, so viele
2omnes undique, quotquot estis omnes.von euch sind, alle von allen Seiten, so viele ihr seid.
3iocum me putat esse moecha turpis,Eine hässliche Dirne glaubt, sich über mich lustig machen zu können,
4et negat mihi nostra reddituramund sagt, sie werde mir eure Tafeln nicht zurückgeben,
5pugillaria, si pati potestis.wenn ihr das dulden könnt.
6persequamur eam et reflagitemus.Lasst uns ihr folgen und sie zurückfordern.
7quae sit, quaeritis? illa, quam uidetisIhr fragt, wer sie ist? Jene, die ihr seht
8turpe incedere, mimice ac molestemit hässlichem Gang einherstolzierend, grinsend wie ein gemeiner Marktschreier
9ridentem catuli ore Gallicani.mit dem Rachen eines cisalpinen Hundes.
10circumsistite eam, et reflagitate,Stellt euch um sie und fordert sie zurück,
11’moecha putida, redde codicillos,‘Schmutzige Dirne, gib die Tafeln zurück,
12redde putida moecha, codicillos!‘gib die Tafeln zurück, schmutzige Dirne!‘
13non assis facis? o lutum, lupanar,Ist dir das keinen Pfennig wert? O Unrat! O Unverschämtheit!
14aut si perditius potes quid esse.oder was immer Schlimmeres ich dich noch nennen kann!
15sed non est tamen hoc satis putandum.Doch wir dürfen dies nicht für ausreichend halten.
16quod si non aliud potest ruboremWenn nichts anderes eine Röte erzwingen kann,
17ferreo canis exprimamus ore.lasst uns sie dem ehernen Antlitz der Bestie abtrotzen:
18conclamate iterum altiore uoce.ruft erneut mit lauterer Stimme,
19’moecha putide, redde codicillos,‘Schmutzige Dirne, gib die Tafeln zurück,
20redde, putida moecha, codicillos!‘gib die Tafeln zurück, schmutzige Dirne!‘
21sed nil proficimus, nihil mouetur.Wir erreichen nichts damit: Sie rührt sich nicht.
22mutanda est ratio modusque uobis,Ihr müsst Plan und Methode ändern,
23siquid proficere amplius potestis:wenn ihr es besser machen könnt:
24’pudica et proba, redde codicillos.''Sittsames und keusches Mädchen, gib die Tafeln zurück.‘

Quellen

VRoma-Projekt

Erstellt:1. Januar 2025

Geändert:27. Oktober 2024