Catullus 13 – Übersetzung
Einleitung
Gewöhnlich, wenn man einen Freund zum Essen einlädt, sorgt man auch für das Essen. Doch nicht so, wenn Catullus Fabullus zum Essen einlädt. In Catullus 13 hat Catullus einen leeren Geldbeutel. Da er kein Geld hat, bittet er seinen Freund, das Essen mitzubringen, und er tut es mit seinem unverwechselbaren, antiken Witz.
Catullus fordert nicht nur, dass Fabullus das Essen mitbringt, sondern er möchte auch, dass sein Freund ein Mädchen, Wein und Witze mitbringt. Im Gegenzug wird Catullus Liebe bieten, die süßer ist als jedes Parfüm, das Venus oder Amor seiner Herrin (Lesbia) geschenkt haben.
Das Gedicht beginnt scheinbar harmlos mit der Einladung zu “einem guten Essen in meinem Hause, Fabullus.” Doch die Bedingung für das Mahl stellt sich rasch in den Versen drei und fünf ein. In Vers drei bittet Catullus Fabullus, “ein gutes und reichliches Essen mitzubringen,” und in Vers fünf, “Wein und Witz und allerlei Gelächter.” Man hört Catullus förmlich lachen, wenn er Fabullus sagt: “Wenn … du all dies mitbringst … wirst du ein gutes Mahl haben.” Der Vers ist humorvoll, obwohl er offensichtlich ist.
Natürlich erinnert Catullus Fabullus daran, ein hübsches Mädchen mitzubringen. Welches Gastmahl wäre schon vollständig ohne ein schönes Mädchen?
Dieses heiter-heitere Gedicht zeigt, wie vertraut Catullus mit seinen Freunden umgeht. Er lädt seinen Freund freundlich ein, bittet ihn aber, für alles zu sorgen. Er teilt seinem Freund mit, dass er mittellos ist. Doch dann sagt er ihm im letzten Vers des Gedichts, dass er nichts als Nase sein werde. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie dieser letzte Vers aufgefasst werden kann.
Die Nase wird riesig, weil sie das gesamte Parfüm aufnimmt, das Catullus ihm geben wird. Catullus sagt Fabullus dann, dass er, wenn er daran riecht, den Göttern sagen wird, dass er nichts anderes als eine Nase sein möchte. Dies soll den ganzen Duft aufnehmen. Dies könnte ein Versuch humorvoller Bildsprache sein, von der mannsgroßen Nase, die Parfüm riecht. Oder es könnte eine sexuelle Anspielung sein, da das Parfüm den Mann durchdringt, zumal das Parfüm von Venus und den “Lieben” stammt – einer Anspielung auf die Liebesgötter wie Amor. Catullus verweist auch in anderen Gedichten auf die Venustäten und Amores.
Die sexuellen Anspielungen fortsetzend, könnte Catullus Fabullus die Möglichkeit bieten, Lesbias Schamlippen zu riechen. Catullus könnte das Symbol des gottgeschenkten Parfüms verwenden, welches “das wahre Wesen seiner Liebe” ist (Vers neun). Catullus sagt Fabullus, dass er das “Parfüm” riechen kann und dann seine Nase groß werden wird. Die wachsende Nase könnte Fabullus’ Penis sein, der nach dem Riechen an Lesbia an den Stellen erigiert, die ihr von den Liebesgöttern geschenkt wurden.
Obwohl die deutsche Übersetzung nicht denselben Rhythmus, Reim und Metrum wie die lateinische Originalfassung besitzt, liest sie sich doch ein wenig wie ein Shakespeare-Sonett. Man betrachte die ersten zwölf Verse als die drei Quartette und die letzten beiden Verse als das schlussbildende Paar. Wie Shakespeare entfaltet Catullus die Erzählung in den Quartetten, bietet aber im Schlusspaar eine unerwartete Wendung oder Lehre.
Interessanterweise richtet Catullus den Fokus des Gedichts zwar auf seinen Freund Fabullus, schafft es dennoch, Lesbia ein Kompliment zu machen. Catullus macht sich auf mehrere Arten über seinen Freund lustig. Aber er lobt Lesbia, da sie nach dem Duft riecht, den ihr die Götter geschenkt haben. Catullus bekommt vielleicht ein kostenloses Mahl von seinem Freund, aber es scheint, als wolle er Fabullus in Wahrheit seine Frau vorführen. Catullus verbucht zwei Gewinne aus diesem Ereignis.
Wie in vielen von Catullus’ brillanten Gedichten gelingt es ihm, Humor und unerwartete, derbe sexuelle Anspielungen einzufangen. Man wird Nasen vielleicht nie wieder mit denselben Augen betrachten.
Carmen 13
| Zeile | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | CENABIS bene, mi Fabulle, apud me | Du wirst bei mir ein gutes Mahl halten, mein Fabullus, |
| 2 | paucis, si tibi di fauent, diebus, | in wenigen Tagen, so die Götter gnädig sind, |
| 3 | si tecum attuleris bonam atque magnam | wenn du ein gutes und reichliches |
| 4 | cenam, non sine candida puella | Mahl mitbringst, nicht ohne ein hübsches Mädchen |
| 5 | et uino et sale et omnibus cachinnis. | und Wein und Witz und allerlei Gelächter. |
| 6 | haec si, inquam, attuleris, uenuste noster, | Wenn, sage ich, du all dies mitbringst, mein charmanter Freund, |
| 7 | cenabis bene; nam tui Catulli | wirst du ein gutes Mahl halten; denn der Geldbeutel |
| 8 | plenus sacculus est aranearum. | deines Catullus ist voller Spinnweben. |
| 9 | sed contra accipies meros amores | Doch andererseits wirst du von mir das wahre Wesen der Liebe empfangen, |
| 10 | seu quid suauius elegantiusue est: | oder was süßer oder köstlicher ist als die Liebe, falls es Süßeres gibt; |
| 11 | nam unguentum dabo, quod meae puellae | denn ich werde dir Salbe geben, die |
| 12 | donarunt Veneres Cupidinesque, | die Venustäten und Lieben meiner Herrin geschenkt haben, |
| 13 | quod tu cum olfacies, deos rogabis, | und wenn du ihren Duft riechst, wirst du die Götter bitten, |
| 14 | totum ut te faciant, Fabulle, nasum. | dich, Fabullus, ganz und gar zur Nase zu machen. |
