Catull 71 – Übersetzung
Einleitung
Catull** wendet sich in diesem Gedicht an einen Mann, der an Gicht leidet**. Er nennt keinen Namen, doch könnte dies leicht eine Anspielung auf einen der vielen Männer sein, die er verabscheut. In Vers eins spricht er von einem braven Gesellen, der von üblem Geruch befallen ist, was bedeutet, dass er furchtbar riechen könnte. In Vers zwei spricht er davon, dass der Mann an Gicht leidet, weil er so sündhaft ist.
Dieser Mann hat einen Rivalen, der in Vers drei erwähnt wird. Und dieser Rivale beschäftigt die Liebe des übelriechenden und sündhaften Mannes. Doch in Vers vier scheint es, als habe der Mann, der die Liebe des übelriechenden Mannes beschäftigt, sowohl den Gestank als auch die Gicht. Dann, in den Versen fünf und sechs, schlafen der andere Mann und die Frau miteinander, doch sie zahlen dafür. Die Frau hat “den Wind”, was eine Anspielung auf Flatulenz ist – die möglicherweise übel riecht. Und der Mann hat Gicht. Es scheint, als seien Gestank und Gicht ansteckend. Der eine Mann hat es dem anderen über die Frau, die sie beide lieben, weitergegeben.
Catull spielt in diesem limerick-artigen Gedicht mit Worten. In den ersten beiden Versen verwendet er “rankness” (Gestank) und “racked” (gequält). In Vers sechs verwendet er “gust” (Wind/Geschmack) und “gout” (Gicht). Dies sind interessante Wortwahlmöglichkeiten, um den Gesundheitszustand der beiden zu beschreiben. Er spielt auch mit den Wörtern “good fellow” (braver Geselle) und “sins” (Sünden). Gute Menschen können Sünden begehen, doch in Catulls Welt zahlen sie dafür mit einem Leiden. Ein weiteres Wortspiel findet sich bei “rival” (Rivale) und “marvel” (Wunder). Wiederum bedeuten die Wörter nicht dasselbe, doch ihr Klang ergänzt einander auf wohltuende Weise.
Obwohl das Gedicht von unangenehmen Themen handelt, ist es eine angenehme Lektüre. Es hat einen verspielten Ton, obwohl es kein verspieltes Thema behandelt – abgesehen von der Liebesvereinigung zwischen der Frau und dem Liebhaber.
Carmen 71
| Vers | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | SI cui iure bono sacer alarum obstitit hircus, | WENN es je einen braven Gesellen gab, der von Gestank befallen war, |
| 2 | aut si quem merito tarda podagra secat. | oder einen, der für seine Sünden mit der Gicht gequält wurde, |
| 3 | aemulus iste tuus, qui uestrem exercet amorem, | dein Rivale, der deine Liebe beschäftigt, |
| 4 | mirifice est a te nactus utrumque malum. | hat von dir beides wie durch ein Wunder erlangt. |
| 5 | nam quotiens futuit, totiens ulciscitur ambos: | Sooft er mit ihr schläft, zahlen beide teuer dafür; |
| 6 | illam affligit odore, ipse perit podagra. | sie wird vom Gestank überwältigt, er ist halb tot von der Gicht. |
