Übersetzung von Catull 57
Einleitung
In diesem Gedicht greift Catull Mamurra und Julius Caesar an. Er nennt sie abscheuliche Sodomiten und Fellatoren. Er bezeichnet sie als Schandflecken, den einen aus der Stadt und den anderen aus Formia. Er sagt, sie seien ein tief eingeprägter Eindruck aufeinander und könnten als Flecken niemals ausgewaschen werden.
Er nennt sie zudem krankheitsbehaftet, wie Zwillinge, die sich ein und dasselbe Ruhebett teilen. Er bezeichnet sie als Dilettanten, die nur oberflächliche Kenntnisse und Schreibfähigkeiten besitzen. Ferner wirft er ihnen vor, habgierige Ehebrecher zu sein, die sich nicht scheuen, darum zu wetteifern, junge Mädchen miteinander zu teilen. Er beschließt das Gedicht auf dieselbe Weise, wie er es begonnen hat, indem er sie als abscheuliche Sodomiten bezeichnet, die miteinander übereinstimmen.
In dem Gedicht verwendet Catull das lateinische Wort cinaedis, ein Begriff zur Beschreibung von Menschen mit sexuellen Perversionen. In anderen Gedichten nennt Catull den Mamurra Herr Penis oder Mentula, was die römische Bezeichnung für das männliche Glied ist. Catull hegte eine tiefe Abneigung gegen diese beiden Männer, und dieses Gedicht wurde nicht in einem spöttischen Ton verfasst. Er brachte vielmehr deutlich zum Ausdruck, was er von beiden hielt.
In den Gedichten über Mamurra fügte Catull stets eine Zeile hinzu, in der es heißt, dass scheinbar alles zugunsten des Mamurra ausfällt. Hier bildet dies keine Ausnahme. In den Zeilen eins und zehn schrieb er darüber, wie sehr sich die beiden Männer einig waren, in dem Sinne, dass sich die Dinge für sie günstig entwickelten, obwohl sie unglaublicich verwerfliche Männer waren, die gegen andere, insbesondere junge Mädchen, gleichermaßen grausam vorgingen.
Catulls Vergleich, diese beiden Männer als Schandflecken zu bezeichnen, war überaus treffend. Er erweiterte den Vergleich, indem er schrieb, sie ließen sich nicht auswaschen. Es scheint, als hätten Caesar und Mamurra ihre Spuren in vielen Leben hinterlassen, darunter auch bei den Menschen, die sie sexuell vergewaltigten. In jener Zeit wurden sexuelle Verfehlungen oft übersehen, doch Catull verfasste Gedichte, die wie Seifenopern wirkten, indem er die Begierden der bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit offenlegte.
Carmen 57
| Zeile | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | PVLCRE conuenit improbis cinaedis, | Schön einig sind die abscheulichen Sodomiten, |
| 2 | Mamurrae pathicoque Caesarique. | die Fellatoren Mamurra und Caesar; |
| 3 | nec mirum: maculae pares utrisque, | kein Wunder auch. Gleich Schandflecken, |
| 4 | urbana altera et illa Formiana, | der eine aus der Stadt und der andere aus Formiae, |
| 5 | impressae resident nec eluentur: | sind sie tief eingeprägt und werden niemals ausgewaschen. |
| 6 | morbosi pariter, gemelli utrique, | Gleich krankheitsbehaftet, wahre Zwillinge, |
| 7 | uno in lecticulo erudituli ambo, | beide auf einem Ruhebett, dilettantische Schreiber beide, |
| 8 | non hic quam ille magis uorax adulter, | der eine ebenso habgierig im Ehebruch wie der andere, |
| 9 | riuales socii puellularum. | die Rivalen, die junge Mädchen miteinander teilen. |
| 10 | pulcre conuenit improbis cinaedis. | Schön einig sind die abscheulichen Sodomiten. |
