Catullus 38 – Übersetzung
Einleitung
In diesem Gedicht teilt Catullus seinem Freund Cornificius seinen seelischen Zustand mit und bittet ihn um ein tröstendes Wort. Cornificius war ein Freund des Catullus und ein Dichter, der das römische Haus des Pompeius auf einer Auktion erwarb.
In der ersten Zeile erklärt Catullus dem Cornificius, dass es ihm übel zumute ist. In der zweiten Zeile wiederholt er dies und fügt hinzu, dass er sich auch in Bedrängnis befindet. In der dritten Zeile erläutert Catullus, dass sein Kummer von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag wächst.
Dann fragt Catullus in der vierten Zeile, ob Cornificius ihm überhaupt jemals Trost angeboten habe. Dem Gedicht zufolge wurde Catullus nicht getröstet – andernfalls würde er sich nicht übel und in Not befinden. Catullus scheint über die mangelnde Fürsorge des Cornificius frustriert zu sein, und der Dichter teilt mit, dass er über die Art zornig werde, wie dieser mit seiner Liebe umgehe. So fordert er in der siebten und achten Zeile, dass Cornificius ihm ein tröstendes Wort gib, und zwar so betrüblich wie die Tränen des Simonides.
Catullus wünscht sich, dass sein Freund ein Gedicht verfasst, in einem Stil, der den Dichter Simonides zum Weinen bringen würde. Simonides war ein hochangesehener Dichter, und so verlangt Catullus von Cornificius etwas Herausragendes, das ihn aufmuntern soll. Die letzte Zeile des Gedichts könnte sich jedoch nicht auf ein Gedicht beziehen, das Simonides zum Weinen brächte, sondern auf die tiefe Traurigkeit, die Catullus durchlebt. Er könnte so betrübt sein, dass selbst Simonides weinen würde.
Die zweite Zeile des Gedichts lässt auch unterschiedliche Übersetzungsdeutungen zu. Auf Lateinisch lautet die Zeile: “malest, me hercule, et laboriose.” Der lateinische Text zeigt, dass Catullus sich entsetzlich fühlt – malest. Zugleich bringt er zum Ausdruck, dass er sich so elend fühlt wie Herakles während seiner Arbeiten. Nimmt man die dritte Zeile hinzu, so könnte Catullus das Thema des Herakles fortführen und darauf anspielen, dass die Arbeiten immer beschwerlicher wurden, je länger er sie stund- und tageweg durchstand. Die Geschichte des Herakles wäre in Rom wohlbekannt gewesen, auch wenn Herakles ein griechischer Held war.
Was auch immer mit Catullus geschieht, eines ist gewiss – er ringt mit etwas und benötigt die Hilfe eines Freundes. Er wünscht sich diese Hilfe in Form von Anteilnahme. Einige Gelehrte vertreten die Ansicht, dass Catullus dieses Gedicht im zunehmenden Alter verfasste; möglicherweise wollte er, dass Cornificius seinen Nachruf schreibe, damit er ihn vor seinem Tod lesen könne. Das Gedicht lässt jedoch nicht erkennen, dass er alt und sterbend ist. Vielmehr zeigt es, dass er leidet und die Hilfe eines Freundes erbittet.
Carmen 38
| Zeile | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | MALEST, Cornifici, tuo Catullo | Deinem Catullus ist übel zumute, Cornificius, |
| 2 | malest, me hercule, et laboriose, | übel und in Bedrängnis, |
| 3 | et magis magis in dies et horas. | und das mehr und mehr von Tag zu Tag und Stunde zu Stunde. |
| 4 | quem tu, quod minimum facillimumque est, | Und du, obwohl dies das geringste und leichteste ist, |
| 5 | qua solatus es allocutione? | hast du ein einziges Wort des Trostes gesprochen? |
| 6 | irascor tibi. sic meos amores? | Ich zürne dir – was, meine Liebe so behandeln? |
| 7 | paulum quid lubet allocutionis, | Gib mir nur ein kleines tröstendes Wort, |
| 8 | maestius lacrimis Simonideis. | betrüblicher als die Tränen des Simonides! |
