Catull 34 – Übersetzung
Einleitung
In diesem Gedicht spricht Catull über die Gefolgsleute der Diana, der griechisch-römischen Entsprechung der Artemis. Sie ist die Göttin der Jagd und eine Jungfrau. Deshalb bezeichnet Catullus Mädchen und keusche Knaben als ihre Gefolgsleute. Dieses Lied ehrt die Göttin, die sie singen ließ. In den Versen eins bis vier stellt er die Göttin vor und beschreibt, was sie für Knaben und Mädchen getan hat.
Daraufhin schreibt er im nächsten Vierzeiler über die Art und den Ort ihrer Geburt. Als Tochter des Jupiter (Zeus) und der Latona wurde sie am Ölbaum geboren. Im nächsten Vierzeiler handelt er davon, dass Diana die mächtigste Herrin der Natur ist. Er nennt Berge, grüne Wälder, Schluchten und Flüsse als Teile ihres Reiches.
In den Versen 13–16 schreibt er über die Namen, unter denen die Menschen sie anrufen. Sie ist Juno Lucina, benannt nach ihren Eltern. Und Mütter rufen ihren Namen aus, wenn sie unter Wehen leiden, da sie auch die Göttin der Geburt ist. Sie wird auch Trivia und Mond genannt, da sie ebenfalls die Göttin des Mondes ist – im Gegensatz zu ihrem Zwillingsbruder Apollo, dem Gott der Sonne. Catullus sagt, dass sie auch die Göttin des falschen Lichtes sei, da der Mond nicht das wahre Licht des Tages bringt.
Im nächsten Vierzeiler handelt er davon, wie sie bei der Einteilung der Monate und Jahre hilft. Als Göttin des Mondes nutzen die Bauern sie, um zu bestimmen, wann sie ernten und die Früchte sowie die Erzeugnisse des Landmanns heimbringen sollen.
Um diese Ode an Diana abzuschließen, wünscht sich Catullus, dass die Menschen sie weiterhin ehren, unter welchem Namen sie auch immer sie anrufen mögen. Er beschließt den letzten Vierzeiler mit der Hoffnung, dass sie die Römer weiterhin beschützt. Dieses Gedicht gehört zu seinen anmutigsten Werken, da er eine jungfräuliche Göttin ehrt. Für diejenigen, die Catulls Dichtung kennen, erscheint diese Verehrung ein wenig unpassend, da die meisten seiner Gedichte von Sex oder Beleidigungen handeln.
Carmen 34
| Vers | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | DIANAE sumus in fide | Wir Mädchen und keusche Knaben |
| 2 | puellae et pueri integri: | sind die Gefolgsleute der Diana. |
| 3 | Dianam pueri integri | Diana lasst uns besingen, |
| 4 | puellaeque canamus. | keusche Knaben und Mädchen. |
| 5 | o Latonia, maximi | O Kind der Latona, |
| 6 | magna progenies Iouis, | große Nachkommenschaft des höchsten Jupiter, |
| 7 | quam mater prope Deliam | die deine Mutter gebar |
| 8 | deposiuit oliuam, | am delischen Ölbaum, |
| 9 | montium domina ut fores | auf dass du die Herrin wärest |
| 10 | siluarumque uirentium | der Berge und grünen Wälder, |
| 11 | saltuumque reconditorum | der verborgenen Schluchten |
| 12 | amniumque sonantum: | und der rauschenden Flüsse; |
| 13 | tu Lucina dolentibus | du wirst Juno Lucina genannt |
| 14 | Iuno dicta puerperis, | von den Müttern in Wehen, |
| 15 | tu potens Triuia et notho es | du wirst mächtige Trivia und Mond genannt |
| 16 | dicta lumine Luna. | mit falschem Licht. |
| 17 | tu cursu, dea, menstruo | Du, Göttin, misst durch deinen monatlichen Lauf |
| 18 | metiens iter annuum, | den Umlauf des Jahres, |
| 19 | rustica agricolae bonis | du erfüllst mit guten Früchten |
| 20 | tecta frugibus exples. | das ländliche Haus des Landmanns. |
| 21 | sis quocumque tibi placet | Sei geheiligt unter welchem Namen du auch immer willst; |
| 22 | sancta nomine, Romulique, | und wie du von alters her gewohnt warst, |
| 23 | antique ut solita es, bona | beschütze mit gütiger Hilfe |
| 24 | sospites ope gentem. | das Geschlecht des Romulus. |
