Catullus 27 Übersetzung
Einleitung
In diesem Gedicht wendet sich Catullus an einen Knaben, der in der Region des Falernerweins dient, einem italienischen Weinbaugebiet. Catullus weist den Knaben an, seinen Becher zu füllen, wie es das Gesetz der Postumia verlangt. Die Bezugnahme auf Postumia könnte auf eine alte Familie dieses Namens oder auf eine der römischen Vestalinnen hindeuten.
Da Catullus die Postumia als “Herrin der Gelage” bezeichnet, könnte er sich nicht auf eine Vestalin beziehen, da eine Herrin die Bezeichnung für eine Frau ist, die geschlechtliche Beziehungen unterhalten hat. Eine Herrin kann jedoch auch eine Frau sein, die Autorität besitzt, und die Vestalinnen hatten durchaus Einfluss auf die römische Kultur. Sie erwirkten sogar eine Begnadigung für Julius Caesar. Sie waren verpflichtet, dreißig Jahre lang in ihren Ämtern zu dienen und während dieser Zeit ein Keuschheitsgelübde abzulegen. Da Catullus ein Meister der Wortwahl war, könnte er sich sowohl auf die Familie als auch auf die mächtigen Vestalinnen beziehen.
In Vers 3 spricht Catullus darüber, wie das Gesetz der Postumia anordnet, dass der Knabe die Becher mit Wein füllt. Dann, in Vers 4, spricht Catullus darüber, dass Postumia betrunkener sein müsse als die Traube. In Vers 5 weist Catullus das Wasser fort. Er nennt es die Zerstörung des Weins und sagt, es solle nur bei den Menschen sein, die ihre Skrupel haben. Dann spricht er von dem reinen thyonischen Gott. Thyone ist der römische Name für Semele. Sie ist die einzige Sterbliche, die einem Gott gebar — Dionysos, der in Griechenland der Gott des Weines ist. Sein römischer Name ist Bacchus.
Dieses Gedicht feiert den Wein und die Region, in der er angebaut wurde. Wein war ein wichtiges Getränk für die Antiken, da es eines der sichersten Getränke war. Wasser wurde durch Aquädukte geleitet, und die Römer verfügten über öffentliche Latrinen und Abwassersysteme. Daher war es für die Menschen in Rom sicherer, Wasser zu trinken, als in Griechenland.
Carmen 27
| Zeile | Lateinischer Text | Deutsche Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | MINISTER uetuli puer Falerni | Komm, Knabe, der du den alten Falerner ausschenkst, |
| 2 | inger mi calices amariores, | füll mir stärkere Becher, |
| 3 | ut lex Postumiae iubet magistrae | wie das Gesetz der Postumia, der Herrin der Gelage, es anordnet, |
| 4 | ebriosa acina ebriosioris. | Postumia, betrunkener als die betrunkene Traube. |
| 5 | at uos quo lubet hinc abite, lymphae | Doch Wasser, hinweg mit dir, fort mit dir, Wasser, |
| 6 | uini pernicies, et ad seueros | Zerstörung des Weines, und nimm deinen Wohnsitz |
| 7 | migrate. hic merus est Thyonianus. | bei den Skrupelhaften. Dies ist der reine thyonische Gott. |